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Johannes Brahms «Ein deutsches Requiem» in Hamburg

Eine Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte

Dieter Feldtmann

« Ein deutsches Requiem wird wahrscheinlich jenes Werk sein, mit dem Brahms in die kommenden Jahrhunderte hinüberlebt» – so in einer frühen Kritik. Davon legt die Hamburger Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte beredtes Zeugnis ab. Es dauerte jedoch Jahrzehnte, bis das Werk in der Öffentlichkeit durchgesetzt war. 1906 etablierte sich die deutschlandweit einmalige Hamburger Tradition der Bußtagskonzerte. Seit Mitte der 1950er Jahre traten dann bei den Aufführungen neben der Hamburger Singakademie immer mehr Hamburger Chöre und Kantoreien hinzu. Mit dem Wandel gesellschaftlicher, politischer, ökonomischer und musikästhetischer Gegebenheiten änderten sich sowohl die Rezeptionsbedingungen als auch das Werkverständnis. So ergibt sich bei aller Wiederholung und Konstanz in der über 140-jährigen Aufführungsgeschichte in Hamburg ein abwechslungs- und facettenreiches Bild des Brahmsschen Werkes.

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III Ein deutsches Requiem im Kontext des Dritten Reiches

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1Die Vorbereitung und Planung des Brahms-Festes 1933 Als sich der 100. Geburtstag von Johannes Brahms näherte, war es der Hamburger Senat, der die planerische Initiative für die Ausrichtung einer Zentenar-Feier für den berühmten Sohn in seiner Heimatstadt ergriff. Bereits unter dem 1. August 1930 wandte er sich an die Deutsche Brahms-Gesellschaft, Berlin, und äußerte sich dahingehend, daß es hier sehr begrüßt werden würde, wenn das im Jahre 1933 fällige Achte Deutsche Brahmsfest in Hamburg stattfinden würde1. Ein gutes halbes Jahr später, am 25. März 1931, trat die im Jahre 1784 gegründete Hamburger Konzertagentur Joh. Aug. Böhme in einem vertraulichen Schreiben an die Philharmonische Gesellschaft in Hamburg heran und teilte ihr mit, dass laut Geheimrat Prof. Dr. Max Friedlaender, dem Vorsitzenden der Deutschen Brahms-Gesellschaft, das VIII. Deutsche Brahms-Fest im Zentenarjahr 1933 [...] in Hamburg mit besonderem Glanze gefeiert werden solle. Der Schlusssatz der Konzertagentur Böhme lautete: Ich glaube, daß es schon heute an der Zeit ist, in dieser Beziehung Schritte zu tun. Das geschah am 31. März 1931, als sich das Vorstandsmitglied Dr. Walter Magnus brieflich an Bürgermeister Dr. Carl Petersen wandte und in dieser Angelegenheit um eine persönliche Besprechung bat. Offiziell wurde die Philharmonische Gesellschaft am 15. April 1931 aktiv. In ihrem Schreiben an den Bürgermeister ging sie, die Vertraulichkeit gegenüber der Firma Joh. Aug. Böhme wahrend, von der nicht näher begründeten Annahme aus, dass die Deutsche Brahms-Gesellschaft es...

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