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Johannes Brahms «Ein deutsches Requiem» in Hamburg

Eine Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte

Dieter Feldtmann

« Ein deutsches Requiem wird wahrscheinlich jenes Werk sein, mit dem Brahms in die kommenden Jahrhunderte hinüberlebt» – so in einer frühen Kritik. Davon legt die Hamburger Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte beredtes Zeugnis ab. Es dauerte jedoch Jahrzehnte, bis das Werk in der Öffentlichkeit durchgesetzt war. 1906 etablierte sich die deutschlandweit einmalige Hamburger Tradition der Bußtagskonzerte. Seit Mitte der 1950er Jahre traten dann bei den Aufführungen neben der Hamburger Singakademie immer mehr Hamburger Chöre und Kantoreien hinzu. Mit dem Wandel gesellschaftlicher, politischer, ökonomischer und musikästhetischer Gegebenheiten änderten sich sowohl die Rezeptionsbedingungen als auch das Werkverständnis. So ergibt sich bei aller Wiederholung und Konstanz in der über 140-jährigen Aufführungsgeschichte in Hamburg ein abwechslungs- und facettenreiches Bild des Brahmsschen Werkes.

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IV Zwischen Frühzeit und Gegenwart

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1Teilaufführungen Wie wir gezeigt haben, handelte es sich bei der Teilauffiihrung am 1. Dezember 1867 in Wien - es wurden die Sätze I bis III aufgeführt - um eine Präsentation des Werkes, die vielerlei Umständen geschuldet war. Zugleich wurde aber auch deutlich, dass Johannes Brahms selbst in einem Programmentwurf eine Teilauffiihrung ins Auge gefasst hatte. Diesen Gedanken hat er auch später weiterverfolgt. Hatte hinter dem Zugeständnis in Wien vor allem der Wille gestanden, das Werk, wenn auch nur in Teilen, aufgefuhrt zu sehen, bewegten Brahms später andere Überlegungen. Nach der Bremer Uraufführung schreibt er am 24. Mai 1868 an seinen Verleger Rieter-Biedermann: Praktisch an dem Werk ist wohl vor allem, daß man durchaus jeden Satz einzeln aufführen kann. Bei der Wiederholung in Bremen waren wir lange zweifelhaft - es wurde schließlich ganz gemacht.1 Was Brahms zögern ließ, das Werk vollständig aufzuführen, war, wie er Carl Reinthaler schon vor der Bremer Uraufführung brieflich mitgeteilt hatte, dass sein Werk nach seiner Auffassung doch recht schwer2 sei und er um das Gelingen der zweiten Aufführung fürchten musste. Dieser Gedanke kommt auch sechs Jahre später noch einmal ins Spiel, als er an den Direktor des Brünner Musikvereins, Otto Kitzler, schreibt: Die teilweise Aufführung hätte ich sogar befürwortet, wenn auch Ihr Verein das ganze Werk studiert hätte. Um es öffentlich zu singen, wäre er wohl kaum zahlreich und .abgehärtet' genug....

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