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Johannes Brahms «Ein deutsches Requiem» in Hamburg

Eine Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte

Dieter Feldtmann

« Ein deutsches Requiem wird wahrscheinlich jenes Werk sein, mit dem Brahms in die kommenden Jahrhunderte hinüberlebt» – so in einer frühen Kritik. Davon legt die Hamburger Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte beredtes Zeugnis ab. Es dauerte jedoch Jahrzehnte, bis das Werk in der Öffentlichkeit durchgesetzt war. 1906 etablierte sich die deutschlandweit einmalige Hamburger Tradition der Bußtagskonzerte. Seit Mitte der 1950er Jahre traten dann bei den Aufführungen neben der Hamburger Singakademie immer mehr Hamburger Chöre und Kantoreien hinzu. Mit dem Wandel gesellschaftlicher, politischer, ökonomischer und musikästhetischer Gegebenheiten änderten sich sowohl die Rezeptionsbedingungen als auch das Werkverständnis. So ergibt sich bei aller Wiederholung und Konstanz in der über 140-jährigen Aufführungsgeschichte in Hamburg ein abwechslungs- und facettenreiches Bild des Brahmsschen Werkes.

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Zur „Popularität“ und Wirkung des Deutschen Requiems

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Das Werk lebt, soweit es wirkt. Karel Kosik1 Wenn bloße Aufführungszahlen darüber Auskunft geben könnten, ob ein musikalisches Werk „populär“ ist, dann würden keine Zweifel darüber bestehen, dass dies insbesondere für Ein deutsches Requiem von Johannes Brahms gilt. Mit 344 Aufführungen in gut 140 Jahren ist diese Komposition so oft wie kein anderes Werk von Brahms in Hamburg zu Gehör gebracht worden. Aber lässt sich an Aufführungszahlen (s)eine „Popularität“ ablesen? Kann Ein deutsches Requiem überhaupt „populär“ sein? Und was bedeutet hier eigentlich „populär“? Einen Eindruck davon kann uns eine briefliche Äußerung von W. A. Mozart an seinen Vater geben, an den er Anfang 1787 aus Prag schreibt: [...] hier wird von nichts gesprochen als vom - figaro; nichts gespielt, geblasen, gesungen und gepfiffen als - figaro: keine Opera besucht als - figaro und Ewig figaro.2 Der Duden bestätigt, was Mozart in seinem Brief zum Ausdruck bringt: Figaro ist, wenn er auf der Straße gesungen und gepfiffen wird, volkstümlich, er ist allgemein bekannt und gemeinverständlich, sonst könnte er nicht in aller Munde sein. Denken wir an andere Werke von Johannes Brahms als an das Deutsche Requiem, etwa an die Ungarischen Tänze oder an die Walzer op. 39, ja, dann mögen wir als Hörer mitsummen oder -pfeifen, den Rhythmus klatschen oder gar anfangen zu tanzen. Aber das Deutsche Requiem schließt eine solche Erwartung von vornherein aus. Wenn...

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