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Die Einheit des Johannesprologs

Eine philologische Untersuchung

Konrad Pfuff

In der neutestamentlichen Forschung hat die allgemein wahrgenommene Uneinheitlichkeit des Textes des Johannesprologs zu der communis opinio geführt, dass er aus der Überarbeitung eines vorgegebenen – ansonsten unbekannten – «Logos-Hymnus» entstanden sein müsse. Von dieser Hymnus-Hypothese wird in der vorliegenden Untersuchung abgesehen. Stattdessen wird der überlieferte Text von seinen «Ungereimtheiten» in philologischer Argumentation befreit. Heraus kommt ein Text, in dem Einleitung und Schluss formal und inhaltlich aufeinander zu komponiert und mit dem Mittelteil, den sie formal umschließen, inhaltlich verwoben sind. Die einheitliche Struktur dieses so rekonstruierten Prologs lässt sich sogar in der Struktur des Zeus-Hymnus des Kleanthes wiederfinden, der zugleich als Quelle für die Aussagen über den Logos in der Einleitung des Prologs erkannt wird.

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Vorwort

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7V o r w o r t Was mich als Altphilologen dazu drängte, dem Prolog des Johannes­ evangeliums nachzugehen, waren „Ungereimtheiten“ des überlieferten griechischen Originaltextes sowie unterschiedliche deutsche Über­ setzungen. Schon früh war mir bewusst geworden, dass hier ein ursprüng­ lich wohl strukturierter und offensichtlich nachträglich überformter Text vorlag. Daraus folgte der Wunsch, einen gereinigten und der Urfassung möglichst nahe kommenden Text mit Hilfe philologischer Sprachkriterien zu erschließen. Auf der Suche nach der zugrunde liegenden Fassung entdeckte ich mehr und mehr die sprachliche Einheit des Textes und die Geschlossenheit sei­ ner Aussage, die mit dem Evangelium in Einklang steht. Dabei taten sich Gegensätze zur heutigen neutestamentlichen Wissenschaft auf. Da ich beim Einarbeiten in die unendlich scheinende Fülle der Literatur zum Johannesevangelium und insbesondere zum Prolog mein eigenes Ver­ ständnis des Prologtextes nirgends adäquat wiederfand, entschloss ich mich, zunächst einmal diese meine Sicht darzulegen und dem kritischen Urteil der Wissenschaft anzubieten. So wird hier in einem ersten Teil der Versuch unternommen, den Text des Prologs in seiner sprachlichen Form von offensichtlichen „Bewachsungen“, von „Ungereimtheiten“ zu befrei­ en, wodurch nicht nur die Struktur des Textes, sondern auch seine Aus­ sage klarer und verständlicher werden kann. Im zweiten Teil wird sodann eine bislang in der Wissenschaft stets zurückgewiesene Quelle für den johanneischen Logosbegriff vorgestellt, an der das Verständnis dieses Logos über inhaltliche Parallelen verdeutlicht wird: der Zeus-Hymnus des Kleanthes. Darüber hinaus lässt sich auch im formalen...

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