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Die Einheit des Johannesprologs

Eine philologische Untersuchung

Konrad Pfuff

In der neutestamentlichen Forschung hat die allgemein wahrgenommene Uneinheitlichkeit des Textes des Johannesprologs zu der communis opinio geführt, dass er aus der Überarbeitung eines vorgegebenen – ansonsten unbekannten – «Logos-Hymnus» entstanden sein müsse. Von dieser Hymnus-Hypothese wird in der vorliegenden Untersuchung abgesehen. Stattdessen wird der überlieferte Text von seinen «Ungereimtheiten» in philologischer Argumentation befreit. Heraus kommt ein Text, in dem Einleitung und Schluss formal und inhaltlich aufeinander zu komponiert und mit dem Mittelteil, den sie formal umschließen, inhaltlich verwoben sind. Die einheitliche Struktur dieses so rekonstruierten Prologs lässt sich sogar in der Struktur des Zeus-Hymnus des Kleanthes wiederfinden, der zugleich als Quelle für die Aussagen über den Logos in der Einleitung des Prologs erkannt wird.

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1. Teil: Die Einheit des Textes des Johannesprologs

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91. Teil Die Einheit des Textes des Johannesprologs E in fü h ru n g : D as P ro b lem des T extes Der Johannesprolog hat in der neutestamentlichen Forschung wegen der allgemein wahrgenommenen Uneinheitlichkeit seines Textes eine sehr verschiedene, ja gegensätzliche Beurteilung erfahren. Man geht dabei heute von der schon zur communis opinio gewordenen Überzeu­ gung aus, „daß der Evangelist ein Lied vom Logos als festgeformte Größe an den Anfang stellt und die Bezüge auf Johannes den Täufer durch zwei eingebaute Stücke in V.6-8 und V.15 einbringt.“1 Abgesehen von diesen zwei Stellen werden von vielen Autoren weitere Teile des Prologs als „sekundär“ zu einem vorliegenden Logos-Lied betrachtet: „V.9, V.12 (wenigstens ab τοΓς), vor allem V.13, aber auch V.17f, von manchen sogar V.2 und endlich V.14 und 16.“2 In seinem Kommentar aus allerjüngster Zeit nennt M. Theobald „gute Gründe“, die dafür spre­ chen, „dass der Prolog auf einem aus dem Gottesdienst der johanneischen Gemeinden stammenden Hymnus basiert.“3 1 Gese, Hartmut, Der Johannesprolog, in: Zur biblischen Theologie, München 1977, S.155. - Zu der oben festgestellten Beurteilungsdivergenz a.O. S.152 unten. 2 a.O. S.155 3 T h e o b a l d, Michael, Das Evangelium nach Johannes, Kapitel 1-12 [nach­ folgend: EnJ + Seitenzahl], Regensburg 2009, S.105. - Ähnlich schon früher J. Becker, der der Gemeinde des Johannes die Erweiterung des ,Logosliedes’ durch die Verse 14 und 16 zuschreibt; der Evangelist habe dann dieses so entstandene Gemeindelied „literarisch...

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