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Die Einheit des Johannesprologs

Eine philologische Untersuchung

Konrad Pfuff

In der neutestamentlichen Forschung hat die allgemein wahrgenommene Uneinheitlichkeit des Textes des Johannesprologs zu der communis opinio geführt, dass er aus der Überarbeitung eines vorgegebenen – ansonsten unbekannten – «Logos-Hymnus» entstanden sein müsse. Von dieser Hymnus-Hypothese wird in der vorliegenden Untersuchung abgesehen. Stattdessen wird der überlieferte Text von seinen «Ungereimtheiten» in philologischer Argumentation befreit. Heraus kommt ein Text, in dem Einleitung und Schluss formal und inhaltlich aufeinander zu komponiert und mit dem Mittelteil, den sie formal umschließen, inhaltlich verwoben sind. Die einheitliche Struktur dieses so rekonstruierten Prologs lässt sich sogar in der Struktur des Zeus-Hymnus des Kleanthes wiederfinden, der zugleich als Quelle für die Aussagen über den Logos in der Einleitung des Prologs erkannt wird.

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ANHANG 1

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99 A N H A N G 1 Χ ά ρ ι ν α ν τ ί χ ά ρ ι τ ο ς L i e b e g e g e n L i e b e Das griechische Wort, das Johannes im Prolog, V.14 und 16, einmalig für die Beziehung zwischen Gott und den Menschen gewählt hat - sonst verwendet er αγάπη (agápe) - , ist dasselbe, das Paulus immer wieder für die Zuwendung Gottes an den Menschen verwendet, und das im Deut­ schen mit „Gnade“ wiedergegeben wird: „χάρις - cháris“. Fast alle anderen europäischen Völker aber übersetzen es mit einem auf das latei­ nische „gratia“ zurückgehenden Wort: grazia (italienisch), gracia (spanisch), graça (portugiesisch), grâce (französisch), grace (englisch). Die Übersetzung der anderen Europäer ist deshalb sehr passend, weil sie denselben Wortstamm enthält: Auf einen Guttural - ,ch / g ’ - folgen die Konsonanten ,r ’ und ,t ’. Die Vokale schwinden dazwischen oder stellen sich um (Ablaut oder Meta­ thesis). Das ,s ’ am Schluss von *charit-s ist Zeichen für den Nominativ, gehört also nicht zum Wortstamm. Die Wurzel des Wortes χάρις lautet χαρ-. Sie findet sich wieder in dem Verbum χαίρβιν (<*χαρ-jeιν), das die Bedeutung ,sich freuen’ hat. Also bedeutet χάρις zunächst einmal: „Freude“. Es handelt sich dabei um eine Freude besonderer Art. Charis kann nämlich Freude unter drei Aspekten bezeichnen: 1. (aus)strahlende F reude: Schönheit, Anmut, „Grazie“. - Sogar Dinge können Charis ausstrahlen. So spricht Homer von der Charis der Kleider und des Schmuckes der G...

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