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Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache

2., erweiterte Auflage

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Klaus-Peter Wegera

Die Diskussion um die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache begleitet die Germanistik von ihren Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart. Die wesentlichen Fragen, um deren Beantwortung es in der Diskussion geht, sind die nach dem Entstehungsort – der «Wiege» – der neuhochdeutschen Schriftsprache und die nach ihrem möglichen Schöpfer. Eng mit der letzten Frage verbunden ist die nach der Richtung der Entwicklung: «von unten nach oben» also volkssprachlicher Ausgleich als Basis für die Schriftsprache oder schreibsprachlicher Ausgleich und Rückwirkung auf die Mundarten. Das zentrale Problem der Diskussion zeigt sich nach wie vor darin, dass keiner der wichtigeren theoretischen Ansätze a priori völlig absurd erscheint. Jede Theorie enthält wohl einen Teil der Wahrheit: Sowohl Siedlerbewegungen als auch die Bildung, sowohl Luther als auch die Kanzleien und Offizinen, sowohl die Grammatiktheoretiker als auch die Dichtung, sowohl Sprachwertsysteme als auch die sich herausbildende Polyfunktionalität und die allmähliche Herausbildung einer zentralen Zielvarietät spielen eine mehr oder weniger bedeutsame – aber in der Regel noch nicht zufriedenstellend ausgelotete – Rolle.

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Vorwort zur 2. Auflage

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Die erste Auflage des vorliegenden Bandes erschien 1986 unter gleichem Titel im Max Niemeyer Verlag als Band 64 der Reihe Germanistische Linguistik. Die­ se Dokumentation von Forschungsthesen stellt den Prototyp der später gemein­ sam mit Hans-Joachim Solms gegründeten Reihe Dokumentation Germanisti­ scher Forschung dar. So war es nur folgerichtig, die zweite Auflage in dieser Reihe zu publizieren. Die Begründungen für die Herausgabe einer solchen Dokumentation haben sich gegenüber der ersten Auflage naturgemäß nicht verändert; sie sind zugleich die Begründung für die gesamte Reihe geworden. In Sprachgeschichten und in zahlreichen sprachgeschichtlichen Abhandlungen werden die verschiedenen The­ sen zur Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache dargestellt, wobei der Verfasser zumeist einen der Standpunkte privilegiert. Doch auch in Darstel­ lungen, in deren Rahmen die Forschungsdiskussion zu den verschiedenen Thesen reflektiert wird, und sogar in manchen Forschungsberichten, ist die Auswahl aus der Vielzahl der Standpunkte oft auf einige wenige - deren Ergebnisse sich zu­ dem leicht auf einfache Begriffe bringen lassen - begrenzt. Ältere Sprachge­ schichten tradieren so über eine längere Zeit von Auflage zu Auflage zunehmend veraltende Standpunkte, die mit neueren Thesen zeitgleich konkurrieren, ohne dass für den nicht eingeweihten Benutzer solcher Werke der jeweilige wissen­ schaftsgeschichtliche Platz erkennbar wird. Nicht fachwissenschaftlich germanistisch orientierten Unternehmungen wie die der allgemeinen Geschichtsschreibung, der Abfassung von Schulbüchern und enzyklopädischen Darstellungen registrieren Entwicklungen in der Beurteilung der Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache mit einer gewissen Verzö­ gerung, so dass längst Überholtes noch lange tradiert und vermittelt wird....

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