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Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache

2., erweiterte Auflage

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Edited By Klaus-Peter Wegera

Die Diskussion um die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache begleitet die Germanistik von ihren Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart. Die wesentlichen Fragen, um deren Beantwortung es in der Diskussion geht, sind die nach dem Entstehungsort – der «Wiege» – der neuhochdeutschen Schriftsprache und die nach ihrem möglichen Schöpfer. Eng mit der letzten Frage verbunden ist die nach der Richtung der Entwicklung: «von unten nach oben» also volkssprachlicher Ausgleich als Basis für die Schriftsprache oder schreibsprachlicher Ausgleich und Rückwirkung auf die Mundarten. Das zentrale Problem der Diskussion zeigt sich nach wie vor darin, dass keiner der wichtigeren theoretischen Ansätze a priori völlig absurd erscheint. Jede Theorie enthält wohl einen Teil der Wahrheit: Sowohl Siedlerbewegungen als auch die Bildung, sowohl Luther als auch die Kanzleien und Offizinen, sowohl die Grammatiktheoretiker als auch die Dichtung, sowohl Sprachwertsysteme als auch die sich herausbildende Polyfunktionalität und die allmähliche Herausbildung einer zentralen Zielvarietät spielen eine mehr oder weniger bedeutsame – aber in der Regel noch nicht zufriedenstellend ausgelotete – Rolle.

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Karl Müllenhoff / Wilhelm Scherer: Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem VIII.-XII. Jahrhundert

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Karl Müllenhoff / Wilhelm Scherer Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem VIII.-XII. Jahrhundert Vorrede zur zweiten Auflage [aus: Karl Müllenhoff Wilhelm Scherer (Hgg.): Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem VIII.-XII. Jahrhundert. 4. Ausg. v. E. Steinmeyer (Neudruck der 3. Aufl. von 1892) Berlin/ Zürich 1964, Bd. I, Vorrede zur zweiten Aufl. (1863), XXXIII-XXXV] [...] Um nicht etwa hören zu müssen, dass uns die zeiten vom XIII jh. abwärts wenig kümmern, will ich mir erlauben hier eine bemerkung einzuschalten, auf die, so nahe sie liegt, diejenigen, die heutzutage nicht müde werden, gewisse allgemein- heiten über die entstehung des neuhochdeutschen zu wiederholen, wie es scheint, noch nicht gekommen sind, in den urkunden der Lutzenburger, Johanns von Böhmen, Karls des vierten und Wenzels, weniger in denen Sigemunds, wohl aber in der in Wien aufbewahrten deutschen bibel Wenzels, soviel aus den mittei- lungen des Lambecius und Denis zu ersehen ist, herscht eine spräche, die eine mitte hält zwischen den beiden mundarten, die sich schon im XIII jh. in Böhmen begegneten, als dort gleichzeitig der Meißner Heinrich von Freiberg und der Baier Ulrich von Eschenbach dichteten, sie hat von der baierisch-österreichisehen gerade den bestand der diphthonge, der ins neuhochdeutsche übergegangen ist, dh. ei für i, eu für iu, au für ü und ou, aber kein üe, auch behält sie das alte ei bei und gestattet dem ai selten eingang; aus dem mitteldeutschen aber hat sie...

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