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Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache

2., erweiterte Auflage

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Edited By Klaus-Peter Wegera

Die Diskussion um die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache begleitet die Germanistik von ihren Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart. Die wesentlichen Fragen, um deren Beantwortung es in der Diskussion geht, sind die nach dem Entstehungsort – der «Wiege» – der neuhochdeutschen Schriftsprache und die nach ihrem möglichen Schöpfer. Eng mit der letzten Frage verbunden ist die nach der Richtung der Entwicklung: «von unten nach oben» also volkssprachlicher Ausgleich als Basis für die Schriftsprache oder schreibsprachlicher Ausgleich und Rückwirkung auf die Mundarten. Das zentrale Problem der Diskussion zeigt sich nach wie vor darin, dass keiner der wichtigeren theoretischen Ansätze a priori völlig absurd erscheint. Jede Theorie enthält wohl einen Teil der Wahrheit: Sowohl Siedlerbewegungen als auch die Bildung, sowohl Luther als auch die Kanzleien und Offizinen, sowohl die Grammatiktheoretiker als auch die Dichtung, sowohl Sprachwertsysteme als auch die sich herausbildende Polyfunktionalität und die allmähliche Herausbildung einer zentralen Zielvarietät spielen eine mehr oder weniger bedeutsame – aber in der Regel noch nicht zufriedenstellend ausgelotete – Rolle.

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Gustav Ehrismann: [Rez. von] Emil Gutjahr

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Gustav Ehrismann [Rez. von] Emil Gutjahr [aus: Göttingische gelehrte Anzeigen 169, Nr. VII, Juli 1907, 905-920] Gutjahr, Prof. Dr. Emil A., Zur Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache. Studien zur deutschen Rechts- und Sprachgeschichte. II. Die Urkunden deutscher Sprache in der Kanzlei Karls IV. I. Der Kanzleistil Karls IV. Leipzig, Dieterichsche Verlagsbuchhand­ lung Theodor Weicher, 1906. XIV u. 499 S. 8°. Der Verfasser geht in seiner Ansicht von der Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache über Müllenhoff hinaus (S. 6 f.). Nicht in Böhmen allein und in der böhmischen Kanzlei liegt ihr Ursprung, sondern in dem gesamten ostmittel­ deutschen Sprachgebiet. Die neuen Diphthonge sind nicht im Baierisch-Oester- reichischen entstanden, sondern dorthin erst zugewandert. Von Halle und Mag­ deburg aus drang eine neue koloniale Kultur vor und diese ist mit ihrer ostmittel­ deutschen Kolonialsprache die Grundlage unserer neuhochdeutschen Schriftspra­ che. Das ist die »sechsische Rechtssprache« (»sechsisch« zum Unterschied von »sächsisch«); »die neuhochdeutsche Muttersprache Eykes, des bergischen Patri­ ziers und Schöffen (Halle)«, S. 35. Eyke nämlich hat in seinem Sachsenspiegel, der ca. 1235 von Halle ausgegangen war (S. 8 Anm. 2), diese Umgangssprache der patrizischen Kreise zuerst literarisch festgestellt und zwar »in der s c h ö f ­ f e n d e u t s c h e n Form (?, ü, ü; mpf, pf)«. »Diese sechsische Schriftsprache wurde im XIV. Jahrhundert, als das Schöffenpatriziat sich durch Eintritt der In­ nungen in die Verwaltung der deutschen Städte zum Innungspatriziat (c. a. 1350) gewandelt hatte, in i n n u n...

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