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Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache

2., erweiterte Auflage

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Edited By Klaus-Peter Wegera

Die Diskussion um die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache begleitet die Germanistik von ihren Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart. Die wesentlichen Fragen, um deren Beantwortung es in der Diskussion geht, sind die nach dem Entstehungsort – der «Wiege» – der neuhochdeutschen Schriftsprache und die nach ihrem möglichen Schöpfer. Eng mit der letzten Frage verbunden ist die nach der Richtung der Entwicklung: «von unten nach oben» also volkssprachlicher Ausgleich als Basis für die Schriftsprache oder schreibsprachlicher Ausgleich und Rückwirkung auf die Mundarten. Das zentrale Problem der Diskussion zeigt sich nach wie vor darin, dass keiner der wichtigeren theoretischen Ansätze a priori völlig absurd erscheint. Jede Theorie enthält wohl einen Teil der Wahrheit: Sowohl Siedlerbewegungen als auch die Bildung, sowohl Luther als auch die Kanzleien und Offizinen, sowohl die Grammatiktheoretiker als auch die Dichtung, sowohl Sprachwertsysteme als auch die sich herausbildende Polyfunktionalität und die allmähliche Herausbildung einer zentralen Zielvarietät spielen eine mehr oder weniger bedeutsame – aber in der Regel noch nicht zufriedenstellend ausgelotete – Rolle.

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Virgil Moser: Frühneuhochdeutsche Grammatik - Anmerkungen

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Virgil Moser Frühneuhochdeutsche Grammatik - Anmerkungen [aus: Frühneuhochdeutsche Grammatik 1,3. Heidelberg 1951, Ergänzungen und Berichti­ gungen, Anm. 7a, 300-303.] A n m . 7 a . Zum bessern Verständnis der hier behandelten grammatischen Probleme mag mangels einer befriedigenden Darstellung der Entwicklungsge­ schichte der nhd. Schriftsprache zum Schluß noch deren organischer Werdegang kurz skizziert werden: Mit Verwendung der lat. Schriftzeichen zur Aufzeichnung deutscher Laute und Worte seit dem 8. Jh. begann sich in den führenden Klöstern und Bischofssitzen schon früh (als Folge der geringen Zahl und der aus einer Fremdsprache übernommenen Zeichen) ein allmählich festwerdender Schreibge­ brauch (Schreibduktus) und weiter im Laufe der ahd. Zeit durch schulmäßige Weitergabe von Generation zu Generation eine archaisierende Schreibüberliefe­ rung (Schreibtradition) herauszubilden; daneben ergaben sich auch schon durch die geistige Ausstrahlung der großen Mutterklöster auf die jüngem Tochtersied­ lungen gewisse Ansätze zu einer höherdialektischen Gemeinsprache und bei dem regen Personen- und Handschriftenaustausch weit über die Dialektgrenzen hinaus - vor allem durch die dominierende Stellung der fränk. Ordenssitze - selbst be­ scheidene Spuren überdialektischer und damit einheitssprachlicher Tendenzen. Auf der Grundlage dieser Klostertraditionen bildeten sich nun mit der zuneh­ menden Ausbreitung des deutschen Schriftwesens und der Schreib- und Lese­ kenntnis - zunächst durch das Vagantentum des 12. Jh.s, dann die Entwicklung eines weltlichen Schulwesens seit dem 13. Jh. und endlich den entscheidenden Übergang der Kanzleien zur deutschen Amtssprache unter Rudolf v. Habsburg und insbesondere Ludwig d. Bayern - nach und...

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