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Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache

2., erweiterte Auflage

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Edited By Klaus-Peter Wegera

Die Diskussion um die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache begleitet die Germanistik von ihren Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart. Die wesentlichen Fragen, um deren Beantwortung es in der Diskussion geht, sind die nach dem Entstehungsort – der «Wiege» – der neuhochdeutschen Schriftsprache und die nach ihrem möglichen Schöpfer. Eng mit der letzten Frage verbunden ist die nach der Richtung der Entwicklung: «von unten nach oben» also volkssprachlicher Ausgleich als Basis für die Schriftsprache oder schreibsprachlicher Ausgleich und Rückwirkung auf die Mundarten. Das zentrale Problem der Diskussion zeigt sich nach wie vor darin, dass keiner der wichtigeren theoretischen Ansätze a priori völlig absurd erscheint. Jede Theorie enthält wohl einen Teil der Wahrheit: Sowohl Siedlerbewegungen als auch die Bildung, sowohl Luther als auch die Kanzleien und Offizinen, sowohl die Grammatiktheoretiker als auch die Dichtung, sowohl Sprachwertsysteme als auch die sich herausbildende Polyfunktionalität und die allmähliche Herausbildung einer zentralen Zielvarietät spielen eine mehr oder weniger bedeutsame – aber in der Regel noch nicht zufriedenstellend ausgelotete – Rolle.

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Mirra M. Guchmann: Der Weg zur deutschen Nationalsprache

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. Teil 2. Ins Deutsche übertragen und wissenschaftlich bearbeitet von Günter Feudel. (Bausteine zur Sprachge­ schichte des Neuhochdeutschen 40). Berlin 1969, 182-184] [...] Die Frage nach der Mundartgrundlage der deutschen Literatursprache kann nur im Zusammenhang mit den Besonderheiten ihrer Entwicklung, die wir in den vo­ rangegangenen Kapiteln darzulegen versucht haben, behandelt werden. Es erscheint uns nicht möglich, von diesem oder jenem Dialekt als der unmit­ telbaren Grundlage der deutschen Literatursprache zu sprechen. Der Versuch von Th. Frings, diese Grundlage im meißnischen Deutsch zu finden, hatte große prinzipielle methodologische Bedeutung, da damit K. Burdachs „Kanzleistandpunkt“ in bezug auf den Ursprung der deutschen Lite­ ratursprache widerlegt wurde. Th. Frings bewies, daß die Verbindung der neuen Diphthonge und der neuen Monophthonge, die Burdach als eines der wichtigsten Kennzeichen der modernen Literatursprache betrachtete, in der Sprache des sächsischen Siedlungsgebietes vor sich gegangen und für das Meißner Mundart­ gebiet charakteristisch war. Frings wies auch eine Reihe von anderen Erschei­ nungen nach, die das Nebeneinander von mitteldeutschen und oberdeutschen Merkmalen erkennen lassen, zum Beispiel das südliche System der Pronomina neben dem mitteldeutschen System der Verbalendungen. Andererseits weist die meißnische Mundart wie auch das gesamte obersächsi­ sche Mundartgebiet ein ganzes System spezifischer Merkmale auf, die von der Literatursprache sehr weit entfernt sind. Das gilt vor allem für den Stand der zweiten Lautverschiebung, die das phonetische System der Literatursprache we­ sentlich bestimmt. Das obersächsische Mundartgebiet kennt im Wortanlaut kein p f sondern statt dessen nur /; da p...

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