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Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache

2., erweiterte Auflage

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Edited By Klaus-Peter Wegera

Die Diskussion um die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache begleitet die Germanistik von ihren Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart. Die wesentlichen Fragen, um deren Beantwortung es in der Diskussion geht, sind die nach dem Entstehungsort – der «Wiege» – der neuhochdeutschen Schriftsprache und die nach ihrem möglichen Schöpfer. Eng mit der letzten Frage verbunden ist die nach der Richtung der Entwicklung: «von unten nach oben» also volkssprachlicher Ausgleich als Basis für die Schriftsprache oder schreibsprachlicher Ausgleich und Rückwirkung auf die Mundarten. Das zentrale Problem der Diskussion zeigt sich nach wie vor darin, dass keiner der wichtigeren theoretischen Ansätze a priori völlig absurd erscheint. Jede Theorie enthält wohl einen Teil der Wahrheit: Sowohl Siedlerbewegungen als auch die Bildung, sowohl Luther als auch die Kanzleien und Offizinen, sowohl die Grammatiktheoretiker als auch die Dichtung, sowohl Sprachwertsysteme als auch die sich herausbildende Polyfunktionalität und die allmähliche Herausbildung einer zentralen Zielvarietät spielen eine mehr oder weniger bedeutsame – aber in der Regel noch nicht zufriedenstellend ausgelotete – Rolle.

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Klaus J. Mattheier: Wege und Umwege zur neuhochdeutschen Schriftsprache

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Überlegungen zur Entstehung und Durchsetzung der neuhochdeutschen Schrift­ sprache unter dem Einfluß sich wandelnder Sprachwertsysteme, veranschaulicht am Beispiel von Köln Klaus J. Mattheier Wege und Umwege zur neuhochdeutschen Schriftsprache [aus: Zeitschrift für Germanistische Linguistik 9 (1981), 274-307] Dieser Beitrag sei meinem Lehrer Werner Besch zum 19.10.1981 gewidmet 1. Bemerkungen zur Forschungssituation 2. Allgemeine sprachwandeltheoretische und sprachhistorische Überlegungen 3. Sprachveränderungen in Köln von 1500 bis 1780 4. Die Bedeutung des Sprachwerts bei der Herausbildung des Neuhochdeutschen 1. Bemerkungen zur Forschungssituation Am 2. März 1584 schreibt der Chronist des Kölner Alltagslebens Hermann Weinsberg: „(...) die wort, so man spricht, lauten nit wie vormals. Itz ist in Coln ein andere pronunciation und maneir zu reden, dann vor sesszig jaren, die littem werden versetzt(...) oberlendische oder nederlendische wort instat der alten col- nischer sprachen (...) gebraucht.“1 Schlaglichtartig beleuchtet Hermann Weins­ berg hier die Entwicklung, die im Zentrum der folgenden Überlegungen stehen soll, den Prozeß der Durchsetzung des entstehenden Neuhochdeutschen, wie er in Köln und wahrscheinlich auch in anderen städtischen Zentren des deutschen Sprachraumes abgelaufen ist. Die Ausbildung der schrift- und einheitssprachlichen Norm des Deutschen steht seit Beginn der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der deutschen Spra­ che im Zentrum der Forschung. Die noch verhältnismäßig undifferenzierten Überlegungen von Müllenhoff, der eine kontinuierliche Entwicklung zur neu­ hochdeutschen Standardsprache schon seit althochdeutscher Zeit annahm2, wur­ den abgelöst durch die empirisch fundiertere These Burdachs von der Entstehung der neuhochdeutschen Standardsprache in der Kanzlei Karls IV3. Diese Annahme 1...

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