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Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache

2., erweiterte Auflage

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Klaus-Peter Wegera

Die Diskussion um die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache begleitet die Germanistik von ihren Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart. Die wesentlichen Fragen, um deren Beantwortung es in der Diskussion geht, sind die nach dem Entstehungsort – der «Wiege» – der neuhochdeutschen Schriftsprache und die nach ihrem möglichen Schöpfer. Eng mit der letzten Frage verbunden ist die nach der Richtung der Entwicklung: «von unten nach oben» also volkssprachlicher Ausgleich als Basis für die Schriftsprache oder schreibsprachlicher Ausgleich und Rückwirkung auf die Mundarten. Das zentrale Problem der Diskussion zeigt sich nach wie vor darin, dass keiner der wichtigeren theoretischen Ansätze a priori völlig absurd erscheint. Jede Theorie enthält wohl einen Teil der Wahrheit: Sowohl Siedlerbewegungen als auch die Bildung, sowohl Luther als auch die Kanzleien und Offizinen, sowohl die Grammatiktheoretiker als auch die Dichtung, sowohl Sprachwertsysteme als auch die sich herausbildende Polyfunktionalität und die allmähliche Herausbildung einer zentralen Zielvarietät spielen eine mehr oder weniger bedeutsame – aber in der Regel noch nicht zufriedenstellend ausgelotete – Rolle.

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Oskar Reichmann: Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache:Wo bleiben die Regionen?

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Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache: Wo bleiben die Regionen? Oskar Reichmann [aus: Die deutsche Schriftsprache und die Regionen. Entstehungsgeschichtliche Fragen in neuer Sicht. Hg. v. Raphael Berthele u. a. (Studia Linguistica Germanica 65). Berlin/ New York 2003, 29-56] 1. Vorbemerkung Die Themenformulierung des vorliegenden Beitrags spiegelt ebenso wie das Thema der Arbeitstagung die raumbezogene (sprachgeographische) Denkweise, in der viele von uns - und ich sage das auch von mir selbst - vor rund 40 Jahren ausgebildet wurden und in der wir wissenschaftlich wie selbstverständlich zu denken und zu arbeiten gelernt haben. Auch wenn man statt / raum- / das unver­ fänglichere Fremdwort Region gebraucht oder alternativ auf das in Publikationen seit den späten sechziger Jahren vielfach gebrauchte / areal- / ausweicht, steht der Raumgedanke überall und gleichsam in Überlebensgroße im Hintergrund. Dies ist im übrigen keine ausschließlich die Sprachwissenschaft, sondern ebenso durchgehend die Geschichtswissenschaft generell betreffende Grundorientierung. Das volle Ausmaß dieser Orientierung wird selbst in der Fachbezeichnung Sprachgeographie greifbar: Sie meint von ihrer Wortbildungsmotivation her eben einen sich mit Sprache befassenden Einzelbereich der Geographie. Es wäre ein Leichtes, das raumbestimmte Denken selbst für viele derjenigen Arbeiten nachzuweisen, die sich selber zum Beispiel als eher soziologisch verstanden wis­ sen möchten. Bezogen auf das Thema dieses Beitrags wird man nach diesen Sätzen erwar­ ten, daß ich Stellung beziehe. Es gibt dabei zwei Möglichkeiten: Entweder be­ schreibe ich die Entstehung und Entwicklung der Schriftsprache in Fortsetzung meiner eigenen wissenschaftlichen Biographie, angesichts des Themas...

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