Show Less

Adressatenorientierung beim Schreiben

Eine linguistische Untersuchung am Beispiel des Verfassens von Spielanleitungen, Bewerbungsbriefen und Absagebriefen

Series:

Kirsten Schindler

Diese Untersuchung zeigt, wie sich TextproduzentInnen beim Verfassen eines Textes an ihrem Leser orientieren, wie sie die Planung, Formulierung und Überarbeitung ihres Textes auf einen spezifischen Adressaten zuschneiden. Bei der kontrastiven Analyse dreier Schreibaufgaben – Spielanleitungen für Computerspiele, Bewerbungsbriefe und Absagebriefe einer Verwaltung – wird deutlich, dass die Art der Adressatenorientierung besonders von den (Schreib-)Voraussetzungen der SchreiberInnen abhängt. Als Untersuchungsgrundlage dienen neben Texten und ethnographischen Daten (Fragebogenerhebungen) vor allem Aufnahmen der Gespräche, die bei der gemeinsamen Arbeit der SchreiberInnen entstehen. Ausgehend von den Ergebnissen der Analysen werden Hinweise für die Ausbildung von TextproduzentInnen skizziert.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Einleitung

Extract

Gegenstand der vorliegenden Untersuchung ist ein spezifischer Aspekt der schriftlichen Textproduktion. Es wird untersucht, wie sich SchreiberInnen beim Verfassen eines Textes an einem Adressaten orientieren. Wie formulieren sie Texte, die sie als gelungen für ihren Adressaten ausweisen, wann werden Über- legungen über den Adressaten beim Schreiben wichtig und wer wird von den SchreiberInnen überhaupt zum Adressaten ihres Textes gemacht? Dass sich solche Fragen für die SchreiberInnen selbst als unmittelbar relevant erweisen, soll am Beispiel eines ersten Gesprächsausschnitts gezeigt werden. Der Ausschnitt ist Teil einer Fernsehdiskussion, die im Rahmen der Ingeborg- Bachmann Tage 2002 aufgezeichnet und ausgestrahlt wurde. Die Schriftstellerin Monika Wogrolly (MW) benennt ihren Gesprächspartnern, dem Literaturwis- senschaftler Jörg Drews (JD), dem Moderator Gerd Scobel (GS) und dem Kul- turredakteur Frido Hütter (FH), grundlegende Anforderungen des literarischen Schreibens heutzutage.3 01 MW: ich denk aber doch da ich aus der praxis berichten kann wie es 02 einem heutzutage als schriftstellerin geht (-) ich denke doch 03 dass die marktorientiertheit eine sehr große rolle spielt und ich 04 möchte es mit nachdruck sagen obwohl es vielleicht mir nicht 05 schmeichelt äh meiner person jetzt/ von dem standpunkt 06 JD: warum schmeichelst ihnen nicht? 07 MW: nein ich/ ich/ ich versuch jetzt eine gewisse ironie hinein zu 08 bringen und zwar deswegen herr drews weil ähm wenn sich jetzt ein 09 schriftsteller hinstellt und sich dazu bekennt dass heutzutage 10 ähm marktwirtschaft(.)liche aspekte einfach mitzudenken sind beim 11 schreiben und im schreibprozess wenn ich...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.