Show Less

Adressatenorientierung beim Schreiben

Eine linguistische Untersuchung am Beispiel des Verfassens von Spielanleitungen, Bewerbungsbriefen und Absagebriefen

Series:

Kirsten Schindler

Diese Untersuchung zeigt, wie sich TextproduzentInnen beim Verfassen eines Textes an ihrem Leser orientieren, wie sie die Planung, Formulierung und Überarbeitung ihres Textes auf einen spezifischen Adressaten zuschneiden. Bei der kontrastiven Analyse dreier Schreibaufgaben – Spielanleitungen für Computerspiele, Bewerbungsbriefe und Absagebriefe einer Verwaltung – wird deutlich, dass die Art der Adressatenorientierung besonders von den (Schreib-)Voraussetzungen der SchreiberInnen abhängt. Als Untersuchungsgrundlage dienen neben Texten und ethnographischen Daten (Fragebogenerhebungen) vor allem Aufnahmen der Gespräche, die bei der gemeinsamen Arbeit der SchreiberInnen entstehen. Ausgehend von den Ergebnissen der Analysen werden Hinweise für die Ausbildung von TextproduzentInnen skizziert.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

3 Adressatenorientierung im Schreibgespräch: Schreibmethode, Herstellungsverfahren, Formulierungsmuster

Extract

3 Adressatenorientierung im Schreibgespräch: Schreibmethode, Herstellungsverfahren, For- mulierungsmuster 3.1 Ausgangspunkt In der Fallstudie zeigte sich, dass die Orientierung am Adressaten „Kinder im Grundschulalter“ für Vivian und Marc zu einem wichtigen Gegenstand im ge- meinsamen Gespräch und bei der Formulierung des Textes wird. Vivian und Marc benennen in ihrem Schreibgespräch den Adressaten. Sie präzi- sieren ihre Vorstellungen über ihn, verständigen sich explizit über (erwartbare) Kompetenzen und Eigenschaften und schneiden ihren Text auf einen ganz be- stimmten Adressatentyp zu: Kinder, die bereits Erfahrungen im Umgang mit Computern haben. Eine wichtige Methode der SchreiberInnen, den Adressaten zum Gesprächsgegenstand werden zu lassen, konnte in der Benennung und Zu- schreibung von Adressatenkategorien beobachtet werden. Vivian und Marc entscheiden sich für bestimmte Formulierungen, die sie in ver- schiedener Weise als gelungen für Kinder ausweisen. So entwickeln sie am An- fang ihres Textes ein adressatengerechtes Spielszenario, das sie beschreiben, integrieren Bildschirmfotos aus dem Spiel und veranschaulichen damit ihren Text. Sie situieren den Adressaten in verschiedenen, fiktiven Spielsettings und überprüfen anhand dieser Settings die Geeignetheit von Formulierungen. Die zentrale Methode hier, d.h. der Einlösung der Adressatenorientierung im Text, stellt die Konstruktion von Spiel- und Rezeptionsszenarien dar. Ausgehend von den Beobachtungen der Fallstudie sollen in diesem Kapitel Un- tersuchungsaspekte auf das Untersuchungskorpus „Spielanleitung“ sukzessive ausgeweitet werden. Dafür wird sich die Analyse auf insgesamt 13 weitere Gruppen erstrecken. Für alle Gruppen gilt, dass sich die TeilnehmerInnen unter- einander gut kannten und an der Universität Bielefeld studierten...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.