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Adressatenorientierung beim Schreiben

Eine linguistische Untersuchung am Beispiel des Verfassens von Spielanleitungen, Bewerbungsbriefen und Absagebriefen

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Kirsten Schindler

Diese Untersuchung zeigt, wie sich TextproduzentInnen beim Verfassen eines Textes an ihrem Leser orientieren, wie sie die Planung, Formulierung und Überarbeitung ihres Textes auf einen spezifischen Adressaten zuschneiden. Bei der kontrastiven Analyse dreier Schreibaufgaben – Spielanleitungen für Computerspiele, Bewerbungsbriefe und Absagebriefe einer Verwaltung – wird deutlich, dass die Art der Adressatenorientierung besonders von den (Schreib-)Voraussetzungen der SchreiberInnen abhängt. Als Untersuchungsgrundlage dienen neben Texten und ethnographischen Daten (Fragebogenerhebungen) vor allem Aufnahmen der Gespräche, die bei der gemeinsamen Arbeit der SchreiberInnen entstehen. Ausgehend von den Ergebnissen der Analysen werden Hinweise für die Ausbildung von TextproduzentInnen skizziert.

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4 Adressatenorientierung: sozial-kommunikative Rahmenbedingungen und Schreibvoraussetzungen

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4 Adressatenorientierung: sozial-kommunikative Rahmenbedingungen und Schreibvorausset- zungen 4.1 Ausgangspunkt Die empirische Datengrundlage, die in den letzten beiden Kapiteln bearbeitet wurde, wird in diesem Kapitel auf zwei weitere Schreibaufgaben ausgedehnt. Nach den Interaktionen und Textbeispielen aus dem Spielanleitungskorpus ste- hen jetzt das gemeinsame Schreiben eines Bewerbungsbriefes und das gemeinsame Überarbeiten eines Absagebriefes im Fokus. Schreibpaare waren im ersten Fall aufgefordert worden, gemeinsam einen Bewerbungsbrief auf eine fiktive Anzeige des französischen Unternehmens DANONE zu formulieren und sich damit für ein Praktikum zu bewerben. Im zweiten Fall bekamen die SchreiberInnen die Aufgabe, einen Absagebrief des Akademischen Auslandsamtes (AAA) der Universität Bielefeld zu überarbeiten. Dieser Brief wird als echter Formbrief immer dann verschickt, wenn eine Anfrage ausländischer StudienbewerberInnen wegen nicht nachgewiesener Deutschkenntnisse abgelehnt wird. Mit diesen beiden Schreibaufgaben steht jeweils ein Adressatenzuschnitt im Fokus, der sich unter systematisch anderen Bedingungen darstellt. Diese Bedingungen lassen sich im Hinblick auf die Schreibsituation, die Nutzung materieller Ressourcen, den Grad der Konventionalisiertheit der Textsorte und die Voraussetzungen der SchreiberInnen beschreiben. Anders als das Spielanleitungskorpus entstanden die Aufnahmen zu den Bewer- bungs- und den Absagebriefen nicht im Hinblick auf die Frage der Adressatenorientierung, sondern in anderen Untersuchungs- und Projektzusam- menhängen (siehe 1.4). Für den jeweiligen Adressatenzuschnitt in den Schreibaufgaben bedeutet dies, dass die Angabe des Adressaten sich nicht wie in dem Spielanleitungskorpus als variierbare und für die SchreiberInnen explizite Größe einer Schreibaufgabe darstellt, sondern Bestandteil einer komplexen, au- thentischen Schreibsituation ist. Für die Schreibarbeit in den Dyaden heißt das...

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