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Aktualität der Metapher

Das Meer, die Metapher und die Sprache

Ina Paul-Horn

Der Bedeutung und Funktion von Metaphern nachzugehen und darüber aufzuklären, ist Aufgabe der Metaphorologie. Dieses Buch legt eine differenzierte Auseinandersetzung mit Hans Blumenbergs Metaphorologie vor, deren unterschiedliche Konzeptionen die Autorin in drei Schritten darstellt und erläutert. Ein wesentliches Ergebnis, das die Konzeptionen eint, liegt in der anthropologischen Neubestimmung des Menschen. Der speziellen Bedeutung von Meeresmetaphern in philosophischen Texten wird am Beispiel ausgewählter Autoren wie Kant, Hegel, Nietzsche, Simmel und Canetti nachgegangen, für die das Meer eine jeweils unterschiedliche metaphorologische Bedeutung hat.

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III. Meeresmetaphern

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III. Meeresmetaphern 167 1. Meer und mehr. Das Meer als Medium der Entgrenzung1 Eine Fahrt entlang der adriatischen Meeresküste in den 50er Jahren: anhalten, zum Strand ge hen, Austern aus dem Wasser fischen, öffnen – anstelle eines Mes- sers tut’s auch Zitronensaft – zum Mund führen, ausschlürfen. Unvorstellbar? Das ist vierzig Jahre her, erzählt einer, der es so gemacht hat. Mittlerweile haben wir nach Jahren der Berichterstattung über Algenpest und Algentep piche wieder gelernt, nicht sofort an Hautausschläge und Allergien zu denken, wenn vom adria tischen Meer die Rede ist. Wir hören nichts mehr von Algen. Wenn die Urlauber an den Strand kommen, haben Arbeiter die Algen und den Dreck beseitigt; mit Rechen und Traktoren bearbei ten sie den Strand, wie Bauern, die ihr Land bestellen. Aber Austern im adriatischen Meer, sie herausfischen, essen, am Strand? Ende der 90er Jahre: radfahren auf Sylt, an der Grenze zwischen Land und Meer. Den Lister Ellenbogen entlangradeln, hinter dem Lister Hafen bunte Schirme. Hier kann man Au stern essen: bei Gosch und in der Probierstube von Dittmayers’s Austernkompanie. Das Stück vier Mark. Und wohin wollen wir denn? Wollen wir denn über das Meer? […] Warum doch gerade in diese Richtung, dorthin, wo bisher alle Sonnen der Menschheit untergegangen sind? Wird man vielleicht uns einstmals nachsagen, dass auch wir, nach Westen steuernd, ein Indien zu erreichen hofften,- daß aber unser Los war, an der Unendlichkeit zu scheitern? Friedrich Nietzsche Das Meer ist eine zentrale Metapher für die Grundlosigkeit...

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