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Die Praxis der/des Echo

Zum Theater des Widerhalls

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Veronika Darian, Micha Braun, Jeanne Bindernagel and Miroslaw Kocur

Der Band versammelt Lektüren gegenwärtiger und historischer Konstellationen in Theater, Text und Kunst, die Echo als Figur und Phänomen nachspüren. Im antiken Mythos ist die Nymphe Echo zur ohnmächtigen Wiederholung fremder Rede verdammt. Sie wird zum Sinnbild eines defizitären, vom Anderen abhängigen Wesens. Doch birgt der Widerhall mehr in sich, verweist er doch auf das widerständige Moment einer Zergliederung jedes «eigentlichen» Ausdrucks. Echos körperlose Stimme gemahnt an die Medialität der Kommunikation, das Entgleiten des Sinns, die Grenzen der Mitteilbarkeit und die Ambivalenzen einer Aneignung der Vergangenheit. Damit aber wohnt ihr ein entschieden theatrales Element inne. Echo wird als eigene Praxis wirksam.

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III Echo/Lalie – Ich und der/das Andere

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III Echo/Lalie – Ich und der/das Andere Veronika Darian Echo-Stimmen: Streik! Von Pro-Vokationen und Rede-Wendungen im mythischen Erzählen Figura manet [E]inzig jene Archetypen [sind] utopischer Behandlung fähig, in denen noch ein Unausgearbeitetes, relativ Unabgelaufenes, Unabgegoltenes umgeht.1 In den 1990er Jahren erlebt die Figur der/des Echo in den Postcolonial Studies eine bemerkenswerte Konjunktur. Zwei Positionen seien stellvertretend genannt. Der aus Martinique stammende französische Autor und Dichter Édouard Glis- sant führt 1990 in seiner Poétique de la Relation2 den Begriff der échos-monde ein. Ausgehend von Beobachtungen zur kulturellen Landschaft Martiniques entwickelt Glissant eine Vorstellung von Welt, die seinem Verständnis nach eine dreigeteilte ist: tout- respektive totalité-monde, échos-monde und chaos-monde.3 Die chaos-monde unserer globalen Realitäten spielt nahezu konsequenter Weise der Totalität eines nach wie vor kolonial geprägten, zentristisch ausgerichteten und nicht zuletzt neoliberal operierenden Denkens in die Hände. Echos-monde spiegeln in diesen komplexen Zusammenhängen den Einbruch des Periphe- ren und des Marginalisierten. Darin werden échos-monde wirksam durch ihre grundsätzliche Vielstimmigkeit, Pluralität und die raum-zeitliche Verwobenheit heterogener Akteure, Gegenstände und Kulturen. [Echos-monde] are at work in the matter of the world; they prophesy or illuminate it, di- vert it or conversely gain strength within it. […] Echos-monde thus allow us to sense and cite the cultures of peoples in the turbulent confluence whose globality organizes our chaos-monde. They pattern its constituent (not conclusive) elements and its expressions.4 1 Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung [Geschrieben 1938–1947 in den USA. Durchgese-...

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