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Die Praxis der/des Echo

Zum Theater des Widerhalls

Series:

Veronika Darian, Micha Braun, Jeanne Bindernagel and Miroslaw Kocur

Der Band versammelt Lektüren gegenwärtiger und historischer Konstellationen in Theater, Text und Kunst, die Echo als Figur und Phänomen nachspüren. Im antiken Mythos ist die Nymphe Echo zur ohnmächtigen Wiederholung fremder Rede verdammt. Sie wird zum Sinnbild eines defizitären, vom Anderen abhängigen Wesens. Doch birgt der Widerhall mehr in sich, verweist er doch auf das widerständige Moment einer Zergliederung jedes «eigentlichen» Ausdrucks. Echos körperlose Stimme gemahnt an die Medialität der Kommunikation, das Entgleiten des Sinns, die Grenzen der Mitteilbarkeit und die Ambivalenzen einer Aneignung der Vergangenheit. Damit aber wohnt ihr ein entschieden theatrales Element inne. Echo wird als eigene Praxis wirksam.

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IV Echo/Gramm – Mediale Praktiken

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IV Echo/Gramm – Mediale Praktiken Jeanne Bindernagel Der doppelte Körper Freuds: Strategien theatraler (Selbst)Verschriftlichung in der Geschichte der Hysterie 1. Wiederholte Erfindungsakte der Wissenschaft Das folgende hässliche Paradox werde ich untersuchen: Die Hysterie war zu jedem Zeit- punkt ihrer Geschichte ein Schmerz, der gezwungenermaßen erfunden werden musste, als Schauspiel und als Bild; er ging sogar so weit, sich selbst zu erfinden (sein Zwang war seine Essenz) […]. Eine Erfindung: ein Ereignis von Signifikanten. Aber selbst für das Ereignis der Schmerzen, der nur zu evidenten hysterischen Schmerzen, möchte ich vom Sinn ihrer extremen Sichtbarkeit sprechen1, schreibt Georges Didi-Huberman zu Beginn seiner vielbeachteten Studie Die Erfindung der Hysterie von 1982. Hier führt er auf über 300 Seiten anhand ei- ner umfangreichen Quellensammlung und Analyse von Bild- und Textmateri- al maßgeblich aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts2 vor, unter welchen Bedingungen die Diagnose ›Hysterie‹ zu einer der prägendsten dieser Zeit wer- den konnte. In ihrer vor allem medialen Wirksamkeit reichte sie weit über den medizinischen Diskurs hinaus, wenn sie sich mit ikonografischen Praktiken der bildenden Kunst und deren Rezeption verbandelte und dabei den einzel- nen kranken Körper in die Reproduzierbarkeit moderner Abbildungstechniken einschrieb. Zentrales Argument seiner Untersuchung ist die Verstrickung medi- zinisch-anatomischen Wissens über den menschlichen – und in diesem Fall be- sonders den weiblichen – Körper mit dessen Repräsentation im jungen Medium der Fotografie. Das Interesse in den Kliniken der Pariser Salpêtrière, aus deren Archiven Didi- Hubermans Bild- und Textquellen...

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