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Die Praxis der/des Echo

Zum Theater des Widerhalls

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Veronika Darian, Micha Braun, Jeanne Bindernagel and Miroslaw Kocur

Der Band versammelt Lektüren gegenwärtiger und historischer Konstellationen in Theater, Text und Kunst, die Echo als Figur und Phänomen nachspüren. Im antiken Mythos ist die Nymphe Echo zur ohnmächtigen Wiederholung fremder Rede verdammt. Sie wird zum Sinnbild eines defizitären, vom Anderen abhängigen Wesens. Doch birgt der Widerhall mehr in sich, verweist er doch auf das widerständige Moment einer Zergliederung jedes «eigentlichen» Ausdrucks. Echos körperlose Stimme gemahnt an die Medialität der Kommunikation, das Entgleiten des Sinns, die Grenzen der Mitteilbarkeit und die Ambivalenzen einer Aneignung der Vergangenheit. Damit aber wohnt ihr ein entschieden theatrales Element inne. Echo wird als eigene Praxis wirksam.

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V Echo/Loge – Strategien der Anrufung

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V Echo/Loge – Strategien der Anrufung Micha Braun Realität2. Strategien der Wiederholung bei polnischen Künstlern der Gegenwart Sagen wir es klar und offen: Dieses »finstere« Procedere der Wiederholung ist Protest und Herausforderung. Nunmehr kann man leicht hinzufügen: Es ist der Kern der Kunst!1 Zur Metaphysik der Wiederholung Wie kann im ›Zeitalter des Gedenkens‹ (Pierre Nora) ein ästhetisches Ver- hältnis zur Geschichte aussehen, wenn mindestens seit Walter Benjamins Denkbild vom Angelus Novus davon ausgegangen werden muss, dass die Ver- gangenheit ein inkohärenter, kaum zu überblickender und schon gar nicht anzueignender Trümmerhaufen ist, von welchem her ein unaufhaltsamer Sturm weht, der uns, Rücken voran, in die ungewisse Zukunft trägt?2 Kön- nen deswegen aber die wechselnden Konjunkturen nationalgeschichtlicher Erinnerungskulturen, die im Zuge von Globalisierungs- und (De-)Territo- rialisierungsprozessen vor immer neue Herausforderungen gestellt werden, tatsächlich als ›durchschaubar‹ gelten?3 Und ist die Position des ästhetischen Historismus, der seit dem 19. Jahrhundert die Vergangenheit wesentlich als 1 Tadeusz Kantor: Illusion. Aus dem Polnischen übers. von Peter Oliver Loew. In: Ma- teusz Borowski/Małgorzata Sugiera (Hg.): Theater spielen und denken. Polnische Texte des 20. Jahrhunderts. Frankfurt am Main 2008, S. 344–367, hier S. 351. (Hervorhebun- gen im Original). Die polnischen Originale der hier übersetzten Texte finden sich in Tadeusz Kantor: Teatr Śmierci. Teksty z lat 1975–1984 (Pisma, II). Hg. von Krzysztof Pleśniarowicz. Wrocław, Kraków 2004, S. 336–346, 433–439. 2 Vgl. Walter Benjamin: Über den Begriff der Geschichte,...

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