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Verbale Indirektheiten beim Diskursdolmetschen am Beispiel des Sprachenpaars Polnisch–Deutsch

Agnieszka Will

Was sind verbale Indirektheiten und wie geht die DolmetscherIn mit ihnen um? Auf Grundlage a) theoretisch hergeleiteter Definitionskriterien für eine translationswissenschaftlich/-praktisch orientierte Definition und b) authentischer Daten des Sprachenpaars Polnisch–Deutsch wird eine operationalisierte Definition erarbeitet: die 2-Komponenten-Indirektheit. Zur Überprüfung des Umgangs der DolmetscherIn mit dieser wird, aufgrund der spezifischen Gesprächsstruktur des gedolmetschten Diskurses, ein passendes Kommunikationsmodell hergeleitet: das Kommunikationsmodell der Dolmetschtriade. Die darin integrierte, schrittweise und systematische Bedeutungsbestimmung der Indirektheit sowie Reflexionsmöglichkeit kann die DolmetscherIn zur Qualitätssicherung in der aktuellen Dolmetschsituation nutzen.

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6. Der Umgang der DolmetscherIn mit verbalen Indirektheiten

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Zur Beschreibung und Analyse des Umgangs der DolmetscherIn mit verbalen In- direktheiten müssen 2 Voraussetzungen erfüllt sein: Die verbale Indirektheit muss definiert sein (und damit aus dem Phänomenbereich erfassbar) und der Umgang der DolmetscherIn mit verbaler Indirektheit muss (ebenfalls aus dem Phänomen- bereich) systematisch erfassbar sein. Die erste Voraussetzung ist erfüllt, da mit der 2-Komponenten-Indirektheit eine operationalisierte Definition der verbalen Indirektheit vorgelegt wurde (vgl. Absch. 5.3). Die zweite Voraussetzung, die Er- fassung des Umgangs der DolmetscherIn mit verbaler Indirektheit (im Sinne einer 2-Komponenten-Indirektheit), macht ein entsprechendes Kommunikationsmodell notwendig. Dieses sollte berücksichtigen, dass: a) ein Diskurs per definitionem aus aufeinander bezogenen Gesprächsbeiträgen zwischen den GesprächspartnerInnen besteht (vgl. Sacks 1974:700) b) sich im triadischen, gedolmetschten Diskurs die Gesprächsbeiträge der Primär- partnerInnen jeweils in ihrer gedolmetschten Version aufeinander beziehen c) es aufgrund von b) zu einem Informationsgefälle zwischen A und B bezüglich einer verbalen Indirektheit (im Sinne einer 2-Komponenten-Indirektheit) kom- men kann d) durch das potenzielle Informationsgefälle aus c) auf die AS verbale Indirektheit (im Sinne einer 2-Komponenten-Indirektheit) möglicherweise nicht adäquat reagiert wird, wodurch ein Austausch (Exchange) scheitern kann (vgl. Edmondson 1981:87). Nach der Erfassung des Umgangs der DolmetscherIn mit verbalen Indirektheiten (im Sinne von 2-Komponenten-Indirektheiten) kann ferner überprüft werden, wie sich der jeweilige Umgang mit den Indirektheiten auf den Diskurs auswirkt. Kommt es bspw. zu Missverständnissen oder Klärungen zwischen den PP, die recht eindeutig auf die Verdolmetschung zurückzuführen...

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