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HimmelsKartenWissen

Frühneuzeitliche Kartierungen des Himmels im Kontext einer theatralen Wissenskultur

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Juliane Howitz

Auf innovative Weise untersucht die Autorin die Kartographie als spezifische historische Inszenierungspraxis vor dem Hintergrund der Welt als Bühne im 16. und 17. Jahrhundert. Wen oder was inszenieren frühneuzeitliche Himmelskarten? Wie präsentieren sie den neuen astronomischen Himmel? Himmelskartographischen Werken der Frühen Neuzeit fällt als Theatri eine besondere Rolle bei der Sammlung und Darstellung von Wissen zu. Im Zusammentreffen von Wissenschaftsgeschichte, Kartographiegeschichte und Theaterwissenschaften offenbart sich ein Paradox im Goldenen Zeitalter der Himmelskartographie: Wachsende astronomische Wissensbestände führen zu sinkender kartographischer Darstellbarkeit. So liegt der besondere Reiz der Karten in der theatralen Vermittlungsleistung zwischen diesen Polen.

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3 Momente von Theatralität und Inszenierung – Frühneuzeitliche Himmelskartographie als Inszenierungspraxis

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161 3 Momente von Theatralität und Inszenierung – Frühneuzeitliche Himmelskartographie als Inszenierungspraxis Der Zusammenhang zwischen frühneuzeitlicher Himmelskartographie und thea- terwissenschaftlicher Betrachtung ist im Kontext der beschriebenen multiplen Kri- senerfahrung paradoxerweise ebenso einleuchtend, wie er auf den ersten Blick befremdlich erscheint. In der Untersuchung des wissenschaftsgeschichtlichen Kon- textes der Entstehung der hier betrachteten Himmelskarten ist ein theaterwissen- schaftlicher Ansatz deshalb von großem Wert, weil sich zum einen auf struktureller Ebene die medialen Vorgänge von Karte und Theater sehr ähnlich sind und weil zum anderen im wissenschaftshistorischen Kontext einer zutiefst auf theatralen Struk- turen basierenden, selbst theatralisierten, europäischen Gesellschaft die Hinterfra- gung von kartographischen Darstellungmechanismen Ergebnisse liefert, welche über Fachgrenzen hinaus zum Verständnis frühneuzeitlicher Wechselmechanismen zwischen Kunst und Wissenschaft beitragen. In den letzten Jahren wurde in den Geistes- und Sozialwissenschaften zunehmend die Bedeutung des Performativen in den großen europäischen Kommunikationsumbrüchen im Mittelalter, der Frühen Neuzeit und der Moderne erkannt und untersucht. In diesen Zusammenhängen wurde aus theaterwissenschaftlicher Perspektive auch der Begriff des Theatrums (‚Schauplatz‛) erforscht, welcher als Organisationsmodell von Wissen insbesondere im 16. und 17. Jahrhundert eine spezifische Form der Wissensdarstellung, -samm- lung und -präsentation impliziert. Aus diesem Verständnis einer wissenschaftsge- schichtlich orientierten Theaterwissenschaft heraus wird der Begriff „Theatralität“ und die entsprechende Ableitung „theatral“ im Folgenden als charakterisierendes Merkmal innerhalb einer performativ orientierten Wissenschaftsgeschichte ver- standen. Von großer Bedeutung ist im Kontext dieser performativ-orientierten Wis- senschaftsgeschichte eben jener Begriff des Theatrums, welchen Giovanni Paolo Gallucci als...

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