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Gestische Kommunikation als Vorläufer von Sprache

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Carina Lüke

Das Buch gibt einen umfassenden Überblick über die Entwicklung von Gesten und deren Bedeutung für den Spracherwerb. Deiktische Gesten sind eine wichtige Vorläuferfähigkeit der Lautsprache. Insbesondere Zeigegesten ermöglichen es Kindern, auf Objekte, Personen oder Handlungen zu referieren und sich, noch bevor sie erste Worte sprechen, aktiv an einer Kommunikation zu beteiligen. Anhand einer Längsschnittstudie zeigt die Autorin auf, dass sich sprachliche Fähigkeiten von Kindern im dritten Lebensjahr anhand ihrer gestischen Kompetenzen mit einem Jahr vorhersagen lassen und somit genutzt werden können, um frühzeitig Risikokinder für eine Sprachentwicklungsverzögerung zu identifizieren.

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3. Gesten in der Sprachentwicklung

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3.1 Definition von Gesten und Differenzierung verschiedener Gestentypen Gesten und Sprache sind eng miteinander verbunden. In einem multimodalen Kommunikationssystem, welches bei jedem Menschen zu finden ist, spielen ne- ben der Lautsprache Blicke, Körperhaltungen, mimische Ausdrücke und kom- munikative Gesten eine wichtige Rolle. Gesten wurden von McNeill bereits 1985 definiert als Bewegungen von Armen und Händen, die begleitend zum Sprechen produziert werden, wodurch ihre enge Verbindung zur Kommunikation deut- lich wird. Doch über die Definition von McNeill hinaus, können auch andere Körperbewegungen – beispielsweise Bewegungen mit dem Kopf – als kommu- nikative Gesten gewertet werden (Rohlfing, 2013). Im Hinblick auf die frühe Gesten- und Sprachentwicklung, insbesondere in westlichen Kulturen, sind Gesten, welche mit den Armen und Händen produ- ziert werden von größter Bedeutung. Diese treten zunächst noch unabhängig von sprachlichen Äußerungen auf und dienen dem Kind so zum Ausdruck sei- ner Intentionen, noch bevor es dazu in der Lage ist, diese zu versprachlichen (Bates, 1976; Iverson & Goldin-Meadow, 2005). In den ersten Jahren der kind- lichen Entwicklung produzieren Kinder vorwiegend deiktische, ikonische und konventionalisierte Gesten. Konventionalisierte Gesten, welche auch als Embleme bezeichnet werden, treten häufig ohne eine parallele Sprachäußerung auf. Dies ist möglich, da die Zuordnung zwischen ihrer Form und ihrer Bedeutung in einer Kultur lexikali- siert, also durch eine Konvention festgelegt ist (z.B. Kopfnicken zum Ausdruck von Zustimmung, Winken zum Abschied; Goldin-Meadow, 2003). Ebenso zählen Gesten zu dieser Kategorie, die in einer Interaktionssituation zwischen einer Bezugsperson und...

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