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Von der Conquista zur Responsibility while Protecting

Die Debatte der humanitär gerechtfertigten Kriegsführung aus lateinamerikanischer Perspektive

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Stefan Knauß

Können Kriege aus humanitären Gründen gerecht sein? Der Autor verfolgt die lateinamerikanischen Antworten auf diese Frage von der Eroberung des Kontinents bis in die Gegenwart. Er zeigt, wie sich Philosophen, Völkerrechtler und Diplomaten angesichts des iberischen Kolonialismus für eine gezügelte humanitäre Interventionspolitik einsetzen können. Die behutsame Rekonstruktion einer lateinamerikanischen Perspektive liefert eine umfassende und detaillierte, nicht-eurozentrische Sicht auf die Geschichte der Menschenrechte. Dieser alternative Zugang zu Debatten des Völkerrechts, der Theorie des gerechten Krieges und der Ethik der internationalen Beziehungen trägt zu einem interkulturellen Verständnis der Menschenrechte und ihrer Durchsetzung bei.

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Kapitel 1: Die Debatte zwischen Las Casas und Sepúlveda

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Beweisziele Das folgende Kapitel stellt in Grundzügen die ideengeschichtlich wichtige De- batte zwischen Bartolomé de Las Casas und Juan Ginés de Sepúlveda dar. Damit soll gezeigt werden, wie bereits unmittelbar nach dem europäischen Erstkontakt mit dem lateinamerikanischen Kontinent ab 1492 eine lebhafte Auseinander- setzung über die Rechtmäßigkeit der Eroberung, den Status der Menschen vor Ort und deren legitime moralisch-rechtlichen Ansprüche geführt wurde. Der Wunsch der Spanier und Portugiesen nach moralischer und juridischer Recht- fertigung (Hanke 2002) ist ein Spezifikum der Conquista und erfasst der Sache nach wichtige systematische Fragestellungen der humanitär-gerechtfertigten In- terventionspolitik. Das erste Kapitel tritt den Nachweis an, dass die Wurzeln der gegenwärtigen Auseinandersetzung in der Zeit der sog. spanischen Spätscholastik zu finden sind und mindestens seit dem 15. Jahrhundert kontrovers diskutiert werden. Las Casas und Sepúlveda stellen mit ihren systematischen Positionen wichtige ideen- geschichtliche Identifikationsfiguren dar, die insbesondere durch lateinamerika- nische Autoren bis heute herangezogen werden, um die Menschenrechtspolitik der Gegenwart zu begreifen und zu beurteilen. In einem ersten Zugang kann Las Casas dabei als Verteidiger der Indios und differenzsensibler Theoretiker der in- terkulturellen Gerechtigkeit betracht werden. Sepúlveda steht hingegen für eine imperialististische Politik, die die Gleichheit der Menschen in Frage stellt und Superiorität der Europäer setzt, um daraus einen legitimen Herrschaftsanspruch der Völker der Nordhalbkugel abzuleiten. Beide Autoren liefern damit eine Blau- pause, die wir als Grundlage für die Auseinandersetzung mit der zeitgenössi- schen Debatte der humanitären...

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