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Von der Conquista zur Responsibility while Protecting

Die Debatte der humanitär gerechtfertigten Kriegsführung aus lateinamerikanischer Perspektive

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Stefan Knauß

Können Kriege aus humanitären Gründen gerecht sein? Der Autor verfolgt die lateinamerikanischen Antworten auf diese Frage von der Eroberung des Kontinents bis in die Gegenwart. Er zeigt, wie sich Philosophen, Völkerrechtler und Diplomaten angesichts des iberischen Kolonialismus für eine gezügelte humanitäre Interventionspolitik einsetzen können. Die behutsame Rekonstruktion einer lateinamerikanischen Perspektive liefert eine umfassende und detaillierte, nicht-eurozentrische Sicht auf die Geschichte der Menschenrechte. Dieser alternative Zugang zu Debatten des Völkerrechts, der Theorie des gerechten Krieges und der Ethik der internationalen Beziehungen trägt zu einem interkulturellen Verständnis der Menschenrechte und ihrer Durchsetzung bei.

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Kapitel 3: Enrique Dussel auf den Spuren von Bartolomé de Las Casas?

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„In diesem Augenblick hätte die Moderne ihren Kurs ändern können. Sie tat es nicht und die Richtung verhärtete sich und blieb bis zum 21. Jahrhundert inflexibel. Die Eroberer er- staunten dermaßen darüber, dass alles, was sie taten, ungerecht und ein Mangel an Moral gegenüber den Indios sein solle, dass sie dies nicht glauben konnten. Es wurde ausführlich diskutiert. Die Dominikaner hatten philosophische Argumente, die Kolonisten ihre tyran- nischen und ungerechten Gewohnheiten. Schließlich gewannen die zweiten für immer die Oberhand, und auf diesen Gewohnheiten wurde die europäische moderne Philosophie gegründet. Ab dem 17. Jahrhundert wird man nie wieder über das Recht der modernen Europäer (und im 20. Jahrhundert der Nordamerikaner) diskutieren, den Planeten zu er- obern.“ [Kommentar Enrique Dussels zur Junta de Valladolid] (Dussel 2010a: 16, 17) Beweisziele In diesem Kapitel soll eine lateinamerikanische Sichtweise zur humanitären Po- litik umrissen werden. Dazu wird in erster Linie die philosophische Position von Enrique Dussel rekonstruiert. Wir haben dabei den folgenden Zugang: Neben einer konkreten historischen Analyse des lateinamerikanischen Umgangs mit der Responsibility to Protect, die wir im vierten Kapitel heranziehen, soll hier zunächst ein anderer Weg gewählt werden. Die ausführlichere Darstellung der Ethik der Befreiung aus der Feder von Dussel scheint mir geeignet, ein geistiges Panorama vorzustellen, vor dem einige der konkreten anti-kolonialen Äußerun- gen und Verhaltensweisen verständlicher werden. Damit soll nicht behauptet werden, dass Dussels Ansatz der einzige ist, der in der Lage w...

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