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Von der Conquista zur Responsibility while Protecting

Die Debatte der humanitär gerechtfertigten Kriegsführung aus lateinamerikanischer Perspektive

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Stefan Knauß

Können Kriege aus humanitären Gründen gerecht sein? Der Autor verfolgt die lateinamerikanischen Antworten auf diese Frage von der Eroberung des Kontinents bis in die Gegenwart. Er zeigt, wie sich Philosophen, Völkerrechtler und Diplomaten angesichts des iberischen Kolonialismus für eine gezügelte humanitäre Interventionspolitik einsetzen können. Die behutsame Rekonstruktion einer lateinamerikanischen Perspektive liefert eine umfassende und detaillierte, nicht-eurozentrische Sicht auf die Geschichte der Menschenrechte. Dieser alternative Zugang zu Debatten des Völkerrechts, der Theorie des gerechten Krieges und der Ethik der internationalen Beziehungen trägt zu einem interkulturellen Verständnis der Menschenrechte und ihrer Durchsetzung bei.

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Kapitel 4: Der lateinamerikanische Blick auf humanitäre Interventionen

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Beweisziele Traditionell gehört der lateinamerikanische Kontinent zu den Anhängern des In- terventionsskeptizismus. Die folgenden Überlegungen sollen anhand der völker- rechtlichen Entwicklung der vergangenen gut 100 Jahre die besondere Position der lateinamerikanischen Autoren in diesem Bereich deutlich machen. Trotz der starken Bedenken, die Denker und Politiker aus diesem Kulturkreis gegen eine interventionistische Politik hegen, ist es keineswegs so, dass sie Legitimität huma- nitärer Interventionen pauschal abgestritten wird. Das vorangegangene 3. Kapitel hat sich mithilfe der Darstellung der philosophischen Position Enrique Dussels auf sehr abstrakte und Jahrhunderte übergreifende Weise mit der lateinameri- kanischen Kolonialismuskritik beschäftigt und lateinamerikanische Versuche aufgezeigt, durch Autonomiebestrebungen im Feld des Denkens und Handelns und durch intellektuelle Kritik die Umstrukturierung kolonialer Diskursarran- gements zu bewirken. Damit haben wir eine intellektuelle Position namhaft ge- macht, die im politischen Spektrum der lateinamerikanischen Regierungen auf eine radikale links-ideologische Position hinausläuft. An dieser Stelle wollen wir uns auf einem etwas konkreteren Level mit den gegenwärtigen Stellungnahmen der lateinamerikanischen Staaten bezüglich des humanitären Interventionismus beschäftigen. Die Auseinandersetzung soll vor der Folie der beiden vorangegangenen Kapi- tel erfolgen, die zum einen die neuralgischen Stellen der gegenwärtigen Debatte um humanitäre Interventionen entwickelt haben (Kapitel 2) und zum anderen die postkoloniale und geopolitische Kritik des Wissens (Kapitel 3) entfaltet ha- ben. Hier sollen nun beide Perspektiven aufeinander bezogen werden, um zu zeigen, wie sich die Lateinamerikaner im Kontext des Völkerrechts mit der In- terventionsproblematik befassen und welches die besonderen Punkte sind, auf die...

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