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Prostranstvo

Intimer und öffentlicher Raum, Kosmos und Chaos in der russischen Literatur

Erich Poyntner

Das Buch befasst sich mit dem Thema «Raum in der Literatur» im russischen Sprachraum. Dabei stellt der Autor klar, dass Raumvorstellungen kulturell determiniert sind. Sie prägen die Struktur künstlerischer Texte wesentlich und geraten dabei nicht selten in Konflikt mit empirischen Raumkonstruktionen. Bei der Rezeption ist dieser Konflikt ebenso wichtig wie der zwischen unterschiedlichen kulturellen Raumkonzepten. Die vorliegende Auseinandersetzung mit dem Phänomen beginnt beim altrussischen Igorlied und endet bei Viktor Pelevin und Sergej Luk´janenko.

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7 Die Großmutter aber wohnte draußen im Wald, eine halbe Stunde vom Dorf. Brüder Grimm, Rotkäppchen 0. Vorbemerkung «Подозрение вот в чем: мы живем не среди предметов, а среди ощущений, поставляемых нашими органами чувств. То, что мы принимаем за звезды, заборы и лопухи, есть просто набор нервных стимулов. Мы наглухо заперты в теле, а то, что кажется нам реальностью – просто интерпретация электрических сигналов, приходящих в мозг. Мы получаем фотографии внешнего мира от органов чувств. А сами сидим внутри полого шара, стены которого оклеены этими фотографиями. Этот полый шар и есть наш мир, из которого мы никуда не можем выйти при всем желании. Все фотографии вместе образуют картину мира, который, как мы верим, находится наружи.» (Пелевин Виктор, Ампир V (Vампир). М. 2010. S. 170) Der Raum ist eine der wesentlichen Kategorien künstlerischer Texte aller Genres, von der bildenden Kunst über die Literatur bis hin zum Film oder zu Videoclips. Jeder Text referiert auf eine gesellschaftlich geprägte Raumvorstellung, er kann sie als Hintergrund benutzen, angreifen oder ein alternatives Konzept vorlegen. Der sprachlich-semiotische Aspekt dieser Vorstellung scheint von großer Bedeu- tung zu sein. Der Raum eines Textes wird wesentlich von der vorgestellten Rezep- tionssituation geprägt: Es ist nicht gleichgültig, ob diese in einem kleinen Land wie Österreich oder etwa in Russland angesiedelt ist. So können etwa russische Figuren endlos lange Reisen unternehmen, ohne je an eine Grenze zu kommen, während schweizerischen oder österreichischen Helden dies nicht möglich ist. Durch das ansteigende Wissen über die Beschaffenheit der Welt, vor allem aber durch die Globalisierung im 20. und 21. Jahrhundert ändert sich die Raumvor- stellung von Produzenten und Rezipienten in einem gewissen Maße, ebenso wie durch Verkehr und Raumfahrt, während grundlegende Vorstellungen (oben – unten; links – rechts u.a.) gleich bleiben. An dieser Stelle muss auch die Frage gestellt werden, inwieweit das Fernsehen und virtuelle Welten oder Computer- animationen das künstlerische Raumbild verändert haben. So gibt es etwa in be- kannten Fernsehserien (u.a. aus produktionstechnischen Gründen) eine starke Überbetonung von Innenräumen mit ihren beschränkten Darstellungsmöglich- keiten, w...

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