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Prostranstvo

Intimer und öffentlicher Raum, Kosmos und Chaos in der russischen Literatur

Erich Poyntner

Das Buch befasst sich mit dem Thema «Raum in der Literatur» im russischen Sprachraum. Dabei stellt der Autor klar, dass Raumvorstellungen kulturell determiniert sind. Sie prägen die Struktur künstlerischer Texte wesentlich und geraten dabei nicht selten in Konflikt mit empirischen Raumkonstruktionen. Bei der Rezeption ist dieser Konflikt ebenso wichtig wie der zwischen unterschiedlichen kulturellen Raumkonzepten. Die vorliegende Auseinandersetzung mit dem Phänomen beginnt beim altrussischen Igorlied und endet bei Viktor Pelevin und Sergej Luk´janenko.

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5. Orte und Räume, statische und dynamische Räume, Grenzen in der russischen Literatur des 20. Und 21. Jahrhunderts.

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41 5. Orte und Räume, statische und dynamische Räume, Grenzen in der russischen Literatur des 20. Und 21. Jahrhunderts 5.1 Orte und Räume In der Praxis der Realisten und Naturalisten des 19. Jahrhunderts ist die Be- schreibung des Ortes von wesentlicher Bedeutung, wobei sich der Gegensatz von Stadt und Land mehr und mehr in den Vordergrund schiebt. Schon bei Puškin, Lermontov und Griboedov spielt der Gegensatz eine entscheidende Rolle, vor allem der Topos des Fremden, in das die Protagonisten geraten, etwa Onegin auf dem Land, Evgenij in seinen Grenzgängen in „Mednyj vsadnik“, aber auch Ler- montovs Pečorin, der in „Geroj našego vremeni“ letztlich immer fremd bleibt. Dasselbe gilt für Griboedovs Čackij, dessen Erscheinen in Moskau das Selbst- verständnis von Moskau als Stadt in Frage stellt. Er bleibt fremd an diesem Ort. Ähnliches ist von Gogol’s Raumdarstellung mit ihrem klaren Gegensatz von Stadt und Land zu sagen, wobei seine Darstellungen des Dorfs deutlich über die bei den anderen genannten Autoren hinausgehen. Dostoevskij und Tolstoj beschäftigt gewissermaßen die Eroberung des rea- len Ortes: Für Dostoevskij ist das sowohl Petersburg (Idiot; Prestuplenie i na- kazanie) als auch die „Provinz“ (Brat’ja Karamazovy, Besy), für Tolstoj Moskau (Vojna i mir) und Petersburg (Anna Karenina). Der akribisch beschriebene und dargestellte Ort wird durch seine eigene Beziehungsstruktur zum Raum, der aber immer Beziehungen zum Außenraum als möglich darstellt: (die Schweiz in „Idiot“ und „Besy“, das Land in „Prestuplenie i nakazanie“, das Ausland...

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