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Wie flektieren Schulkinder die Vergangenheitsformen starker Verben?

Untersuchungen zu Dritt-, Fünft- und Siebtklässlern

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Sonja Wonner

Das Buch ist besonders von Interesse für Linguisten, Psycholinguisten, Sprachdidaktiker und Lehrer. Die umfangreiche Studie mit 146 Schulkindern untersucht, wie sich die Präterital- und Partizipformen starker Verben von der 3. über die 5. zur 7. Jahrgangsstufe entwickeln. Daten sind Bildergeschichten und Lückentexte, zwei in der Schulpraxis häufig verwendete Textsorten. Beide beeinflussen die Fehlerhäufigkeit in der Präteritalbildung. Detaillierte Fehleranalysen zeigen, wie sich die Strategien der Schulkinder verändern. Formen wie * schwimmte, * schwammte oder * schwumm sind Ausprägungen verschiedener Entwicklungsphasen, die anhand eines Modells erläutert werden.

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I. Theoretischer Teil

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17 1. Entwicklung der schwachen und starken Verben Eine der wichtigsten morphologischen Unterscheidungen bei den deutschen Verbformen ist diejenige in Verben mit innerer und Verben mit äußerer Flexion. Grimm (1880) nennt diese beiden Gruppen starke und schwache Verben.1 Die Verben mit äußerer Flexion bilden als schwache Verben ihre Vergangenheitsfor- men durch Suffigierung (Dentalsuffix –t-), zum Beispiel er hörte (Prät.), er hat gehört (Perf.). Die Verben mit innerer Flexion sind starke Verben, in denen der Ablaut als Tempusmarker fungiert, zum Beispiel er nahm (Prät.), er hat genom- men (Perf.). „Ablaut ist der geregelte Wechsel von bestimmten Vokalquantitäten und Vokalqualitäten an etymologisch identischer Stelle (z. B. nhd. binden – band – gebunden).“ (Weddige 2007, 34) Es wird anhand der Entwicklung der schwachen und starken Verben vom Indogermanischen zum Neuhochdeutschen (1.1) gezeigt, dass der Ablaut seit dem Indogermanischen besteht, sich aber erst ab dem Spät- mittelhochdeutschen zum wichtigsten Mittel der Tempusunterscheidung bei den starken Verben entwickelt. Der Grund dafür ist die Nebensilbenabschwächung im Mittelhochdeutschen, eine Auswirkung des Initialakzents im Germanischen. Bis zum Mittelhochdeutschen lassen sich die starken Verben anhand der Flexionsen- dungen erkennen. Die relativ klaren Muster (Ablautklassen) im Mittelhochdeut- schen lösen sich zum Neuhochdeutschen immer stärker auf. Es stellt sich deshalb die Frage, inwieweit die Konjugation der starken Verben heute noch vorhersagbar ist und ob sich Sprecher auf bestimmte Muster stützen können (1.2). 1.1 Entwicklung der schwachen und starken Verben vom Indogermanischen zum Neuhochdeutschen Die schwachen Verben sind seit...

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