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Kulturelle Evolution und die Rolle von Memen

Ein Mehrebenenmodell

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Karim Baraghith

Das Buch untersucht die Mechanismen der kulturellen Evolution, insbesondere die Rolle von Memen – kulturelle Muster also, die von Generation zu Generation weitergereicht werden. Gesellschaften durchlaufen einen evolutionären Prozess, Prinzipien wie Variation, Selektion und Reproduktion können als abstrakte Eigenschaften dynamischer Systeme verstanden werden. Sie finden sowohl Anwendung bei der Entwicklung von Organismen als auch bei kulturell erworbenen Verhaltensweisen. Dies ist der Erklärungsansatz einer interdisziplinären verallgemeinerten Evolutionstheorie. Was aber evolviert genau innerhalb der kulturellen Evolution? Der Autor versucht Einheiten der kulturellen Entwicklung (Meme) möglichst exakt zu definieren, um spezifische kulturelle Phänomene zu erklären.

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Einleitung

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Der Gedanke, die Entwicklung von Lebewesen und die Entwicklung von Gesellschaften ließe sich auf sehr ähnliche Weise beschreiben, reicht zu- rück bis in die Antike. An sprachlichen Metaphern und Analogien zwi- schen sozialen und biologischen Systemen mangelte es dabei nie. Seit der Begründung der Evolutionstheorie kann dieser alte Gedanke innerhalb einer neuen Fragestellung umformuliert werden: Durchlaufen auch Gesell- schaften eine echte Evolution, eine kulturelle Evolution (KE)? Dass sich Kulturen auf bestimmte Art und Weise entwickeln und dass dabei sowohl Mikro- als auch Makromechanismen untersucht werden können, steht außer Frage. Wie hoch aber ist der explanatorische Wert evolutionärer Erklärungen für sich innerhalb der Kultur entwickelnde Systeme wirklich einzuschätzen? Die Evolutionstheorie Charles Darwins ist eine mächtige Theorie bezüg- lich der Erklärung historischer Phänomene in den Lebenswissenschaften. In der theoretischen Biologie wird seit langer Zeit nicht mehr darüber debattiert, ob die biologisch-genetische Evolution (BE) eine akademisch akzeptable Theorie ist – dies wird im Allgemeinen vorausgesetzt. Seit eini- gen Jahren jedoch wird die Evolutionstheorie von vielen sich außerhalb der klassischen Naturwissenschaften befindlichen Fachrichtungen so verallge- meinert und formalisiert, dass sie in gänzlich neuen Gebieten Anwendung findet. Funktionale Prinzipien wie Variation, Selektion und Reprodukti- on können als abstrakte Eigenschaften dynamischer Systeme verstanden werden und sind somit multirealisierbar. Besonders in der Anthropologie, Psychologie, den Sozial- und Kulturwissenschaften, aber auch der theore- tischen Hirnforschung, der Philosophie des Geistes und der Wissenschafts- philosophie existieren mittlerweile zahlreiche Arbeiten und Kritiken zu diesem neuen...

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