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Kulturelle Evolution und die Rolle von Memen

Ein Mehrebenenmodell

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Karim Baraghith

Das Buch untersucht die Mechanismen der kulturellen Evolution, insbesondere die Rolle von Memen – kulturelle Muster also, die von Generation zu Generation weitergereicht werden. Gesellschaften durchlaufen einen evolutionären Prozess, Prinzipien wie Variation, Selektion und Reproduktion können als abstrakte Eigenschaften dynamischer Systeme verstanden werden. Sie finden sowohl Anwendung bei der Entwicklung von Organismen als auch bei kulturell erworbenen Verhaltensweisen. Dies ist der Erklärungsansatz einer interdisziplinären verallgemeinerten Evolutionstheorie. Was aber evolviert genau innerhalb der kulturellen Evolution? Der Autor versucht Einheiten der kulturellen Entwicklung (Meme) möglichst exakt zu definieren, um spezifische kulturelle Phänomene zu erklären.

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3. Die Theorie der „Epidemiology of Representations“

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51 3. Die Theorie der „Epidemiology of Representations“ Eine alternative Möglichkeit zum memetischen Ansatz – welcher dennoch naturalistisch ist – bietet der bereits erwähnte Anthropologe und Kogniti- onswissenschaftler Dan Sperber mit seiner Theorie der „Epidemiology of Representations (EOR)“ an, welche er in seinem Buch „Explaining Cul- ture“ (Sperber 1996) entwickelt und an vielen anderen Stellen (u. a. Sper- ber 2008) weiter ausbaut.37 Die Theorie in ihrer Gesamtheit, so wie ihre kritische Betrachtung, müsste aus Komplexitätsgründen Gegenstand einer eigenen Arbeit sein, und kann hier nur unvollständig und unter dem Fokus einer für die Arbeit relevanten Perspektivenübernahme wiedergegeben und bearbeitet werden. 3.1 Mentale und öffentliche Repräsentationen Sperbers EOR liegt ein dualer Repräsentationsbegriff zugrunde. Er macht eine grundlegende Unterscheidung zwischen „mentalen“38 und „öffentlichen Repräsentationen“ (vgl. Sperber 1996: 32), die beide konstitutiv für jenen Prozess sind, den wir als Kultur bezeichnen. Orientiert man sich an allgemeinen begrifflichen Kriterien für mentale Repräsentationen in der Philosophie des Geistes, so haben Repräsentationen stets eine prozesshafte Struktur. Eine 37 „To explain culture, then, is to explain why and how some ideas happen to be contagious. This calls for the development of a true epidemiology of representations.“ (Sperber 1996: 1) 38 Eine darstellende Untersuchung der Debatte über mentale Repräsentationen würde (selbst wenn man nur die Philosophie des Geistes zu Wort kommen ließe), abermals den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Im Allgemeinen wird mentale Repräsentation als dreistellige Relation zwischen Träger bzw. Repr...

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