Show Less

Machtspiele

Katachresen der gerechten Herrschaft im modernen Geschichtsdrama

Series:

Tomislav Zelić

Dieses Buch untersucht eine Auswahl von poetischen Geschichtsdramen aus der Geschichte der modernen deutschsprachigen Literatur vom frühen 19. bis zum späten 20. Jahrhundert unter dem Gesichtspunkt des Machtspiels. Dabei analysiert der Autor die subjektiven, objektiven und absoluten Ironien, die Katachresen der gerechten Macht und Herrschaft sowie die logischen Paradoxien der absoluten Souveränität.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

8. Exkurs: Die Souveränität des poetischen Geschichtsdramas über die Geschichte

Extract

Theodor W. Adorno (1903–1969), einer der größten Kritiker Brechts, hat das ironische und satirische Parabelstück Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui be- kanntlich wegen des Vergleichs des deutschen Nationalsozialismus mit dem ita- loamerikanischen Gangstertum in dem berühmten Engagement-Essay von 1962 scharf kritisiert. So heißt es dort: Das wahre Grauen des Faschismus wird eskamotiert; es ist nicht länger ausgebrütet von der Konzentration gesellschaftlicher Macht, sondern zufällig wie Unglücksfälle und Verbrechen. So verordnet es der agitatorische Zweck; der Gegner muß verkleinert wer- den, und das fördert die falsche Politik, wie in der Literatur so auch in der Praxis vor 1933. […] Dem politischen Engagement zuliebe wird die politische Realität zu leicht gewogen: das mindert auch die politische Wirkung.518 Die Schärfe dieser Worte verwundert, zumal die Frankfurter Schule 1942 selbst darum bemüht gewesen war, den Faschismus im Rückgriff auf die soziologische Theorie der Cliquen und Banden, Gangs und Rackets als Endstadium der liberalen bürgerlichen Gesellschaft unter dem Schlagwort ‚Spätkapitalismus‘ zu verstehen und zu deuten. Allenthalben drängt Selbsterhaltung übers Kollektiv zur verschworenen Clique. Zwang- haft reproduziert unten sich die Spaltung in Führer und Gefolge, die an der herrschen- den Klasse selber sich vollzieht. Die Gewerkschaften werden zu Monopolen und die Funktionäre zu Banditen, die von den Zugelassenen blinden Gehorsam verlangen, die draußen terrorisieren, loyal jedoch bereit wären, den Raub mit den anderen Monopol- herren zu teilen, wenn diese nur nicht vorher in offnem...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.