Show Less

Selbstdarstellung in der Wissenschaft

Eine linguistische Untersuchung zum Diskussionsverhalten von Wissenschaftlern in interdisziplinären Kontexten

Series:

Lisa Rhein

Selbstdarstellung, Image- und Beziehungsarbeit spielen in der Wissenschaft eine zentrale Rolle. Dieses Buch untersucht aus vornehmlich gesprächsanalytischer Perspektive, wie Images und Beziehungen der Akteure interaktiv konstituiert und ausgehandelt werden. Im Fokus stehen dabei Fachdiskussionen von Wissenschaftlern auf interdisziplinären Konferenzen. Grundlage ist ein von Soziologie und Psychologie befruchtetes linguistisches Methodeninventar. Die Autorin zeigt, wie Wissenschaftler in Diskussionen Images aufbauen, angreifen und verteidigen, wobei die Fachidentität der Akteure von zentraler Bedeutung ist. Sie erklärt ebenso, wie Wissenschaftler Kompetenz – auch bei vorhandenem Nichtwissen – signalisieren und Humor zur Beziehungsgestaltung nutzen.
Show Summary Details
Restricted access

1 Einleitung: Selbstdarstellung in der Wissenschaft

Extract

Im heutigen Wissenschaftssystem, das sich in den letzten Jahren insbesondere mit Blick auf die zunehmende Ökonomisierung1, den Abzug von Finanzmitteln, die Internationalisierung und Globalisierung der Wissenschaft sowie den Anspruch an Universitäten, Marketing zu betreiben, sehr stark verändert hat (vgl� Auer/ Baßler 2007a: 27; Hilpelä 2001: 195f�; Hoffmann 2003: 15), haben sich auch die Anforderungen an Wissenschaftler gewandelt2 (vgl� Krohn 2003; Auer/Baßler 2007a)� Wissenschaftler konkurrieren um Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit der anderen� Im Hinblick darauf, dass nicht nur wissenschaftliches Wissen, sondern auch Werte, Images und Reputationen interaktiv ausgehandelt, zu- oder abge- schrieben werden, müssen sich Akteure aktiv um einen guten Ruf bemühen� Das eigene Image, also das Bild, das andere von ihm haben, kann vom Akteur zu einem gewissen Grad mitgestaltet und gesteuert werden� Selbstdarstellung und Beziehungsmanagement spielen in der Wissenschaft demnach eine wichtige Rolle (vgl� Tracy 1997; Ventola et al� 2002; Auer/Baßler 2007b; Konzett 2012; zum Teil auch Grabowski 2003)� Die zentrale Bedeutung von Selbstdarstellung in der Wissenschaft lässt sich gut zeigen, wenn man Wissenschaft unter drei Perspektiven betrachtet� So ist sie erstens ein Handlungsraum, in dem Akteure forschen, lehren und kooperieren� Zweitens ist sie ein Kommunikationsraum, da Wissen im Diskurs generiert, z� B� in der Lehre oder auf Konferenzen vermittelt, diskutiert und ausgehandelt wird� Drittens ist sie ein Selbstdarstellungsraum, da sich Wissenschaftler als kompe- 1 Damit geht nach Hoffman eine „Entwissenschaftlichung der Hochschulen“ (Hoffmann 2003: 18, 19, 22; auch Hartung 2003: 73) einher� Hoffmann betont hier besonders einen kritischen Aspekt der Ökonomisierung:...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.