Show Less

Der unveräußerliche Kernbereich der Leitungsfunktion

Was der Gesamtvorstand einer Aktiengesellschaft zwingend selbst tun muss

Series:

Nina Kristin Grabolle

Die Autorin untersucht den unveräußerlichen Kernbereich der Leitungstätigkeit des Vorstands einer Aktiengesellschaft. Die Arbeit begegnet damit dem haftungsträchtigen Spannungsverhältnis, in dem sich die Mitglieder des Vorstands einer Aktiengesellschaft befinden: Einerseits müssen sie gemäß § 76 Abs. 1 AktG die Aktiengesellschaft leiten, woraus gefolgert wird, dass sie die Leitung nicht übertragen dürfen. Andererseits erfordert eine effiziente Unternehmensorganisation gerade auch die Delegation von Leitungsaufgaben. Ziel der hier entwickelten, aktienrechtlichen Kernbereichslehre ist es, konkrete Aufgaben des Gesamtvorstands und deren Inhalte zu benennen, damit der Gesamtvorstand erkennen kann, welche Aufgaben er zwingend selbst wahrnehmen muss und welche er übertragen darf.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

4. Kapitel: Entwicklung eines Stufenmodells zur Erkennung des unveräußerlichen Kernbereichs der Leitung

Extract

155 4. Kapitel: Entwicklung eines Stufenmodells zur Erkennung des unveräußerlichen Kernbereichs der Leitung Selbst nach der gegenständlichen Eingrenzung des Delegationsverbots ist noch nicht hinreichend geklärt, inwieweit die dem Delegationsverbot unterliegenden Leitungsaufgaben vom Gesamtvorstand zwingend selbst wahrgenommen werden müssen.840 Dass die delegationsfeindlichen Leitungsaufgaben des Vorstands jedenfalls nicht in Gänze unveräußerlich sein können, soll an einem Beispiel verdeutlicht werden: Die Pflicht des Vorstands, gemäß § 90 AktG dem Aufsichtsrat zu berichten, ist eine Leitungsaufgabe und vom Gesamtvorstand wahrzunehmen.841 Wäre diese Aufgabe als solche und in toto nicht delegierbar, müssten bei der mündlichen Berichtserstattung streng genommen sämtliche Vorstandsmitglieder zeitgleich und unisono reden, wenn sie ihre Leitungsaufgabe ordnungsgemäß erfüllen woll- ten. Das ist nicht nur impraktikabel und undurchführbar,842 sondern wird – wie in diesem Kapitel zu zeigen sein wird – weder vom Postulat der Eigenverantwort- lichkeit der Leitung noch vom Kollegialprinzip gefordert843. A. Reichweite des Delegationsverbots Die normativen Leitungsaufgaben und die dem Gesamtvorstand aus der unter- nehmerischen Funktion erwachsenden Aufgaben legen die „äußeren Umrisse“ des Gegenstands des Delegationsverbots fest.844 Es liegt auf der Hand, dass die wenigen, sachkundigen Vorstandsmitglieder nicht alle mit der unveräußerlichen Leitungsfunktion einhergehenden Aufgaben, Maßnahmen und Entscheidungen selbst und noch dazu gemeinschaftlich – wie vom Grundsatz der Gesamtleitung scheinbar gefordert – erledigen können.845 Vielmehr besteht gerade auch für den 840 Nachfolgend unter lit. B. 841 Nach herrschender Meinung sind alle vom Gesamtvorstand wahrzunehmenden Aufgaben Leitungsaufgaben; dazu im Einzelnen bereits Kapitel 3:B.I. 842 So...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.