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700 Jahre Boccaccio

Traditionslinien vom Trecento bis in die Moderne

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Edited By C. Bertelsmeier-Kierst and Rainer Stillers

In diesem Band werden neue Ergebnisse vorgestellt, die anlässlich des 700. Geburtstages Giovanni Boccaccios 2013 im interdisziplinären Dialog zwischen Literaturwissenschaftlern, Historikern, Sozial- und Medienwissenschaftlern in Marburg ausgetauscht wurden. Vor allem sein Hauptwerk in Volgare, das Decameron (Zehntagewerk, eine geistreiche Anspielung auf das Hexameron, das Sechstagewerk der Schöpfungsgeschichte), hat die Literatur und Kunst Europas nachhaltig beeinflusst. Geprägt von zwei Kulturen, dem kommunalen Leben der Republik Florenz und der französischen Hofkultur Neapels, gelingt es Boccaccio, zuvor getrennte Welten, antike Philosophie und höfische Liebe, lateinische und volkssprachliche Diskurse zusammenzuführen.

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Diana oder Venus: Funktionen der Landschaft im Erzählwerk Boccaccios (Friedrich Wolfzettel)

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Friedrich Wolfzettel Diana oder Venus Funktionen der Landschaft im Erzählwerk Boccaccios I. Bei dem Stichwort ‘Landschaft bei Boccaccio’ denkt man sofort an die Gar- tenidylle des ‘Decameron’, und das entspricht auch der Forschungstradition. Im Gegensatz zu den Landschaftsdarstellungen des sog. Frühwerks hat der landschaftliche Rahmen von Boccaccios nach 1348 entstandenem ‘Decameron’ von jeher das besondere fast ausschließliche Interesse der Forschung geweckt,1 obwohl nur die Rahmenhandlung landschaftlich verortet ist. Aus mehreren Gründen: Einmal ist die idyllische Gegenwelt zu dem von der Pest sozial und moralisch zerrütteten Florenz eines der ersten Beispiele autonomer Landschafts- darstellung in der frühen Renaissance, dann aber auch deshalb, weil Landschaft hier als Ermöglichungsrahmen eines poetologischen Programms fungiert, das Winfried Wehle als “Menschwerdung in Arkadien” und als “Wiedergeburt” im Umfeld einer anthropologischen Fragestellung bezeichnet hat.2 Als experimenteller Raum zugleich natürlicher und künstlicher Natur, dient gerade das Gartenambiente dazu, die volle Breite des Menschseins bei gleichzeitiger Unterminierung aller Formen von “Exemplarität” im mittelal- terlichen Sinn3 zu entfalten. “Poesie nach der Pest”, wie Kurt Flasch4 seine 1 Vgl. z. B.  E.G.  Korn, The Gardens in the Decameron Cornice, in: PMLA 66,4 (1951), S. 505–523. 2 W. Wehle, Menschwerdung in Arkadien. Die ‘Wiedergeburt’ der Anthropologie aus dem Geist der Kunst, in: Über die Schwierigkeiten, (s)ich zu sagen. Horizonte literarischer Subjektkonstitution, hg. von W. Wehle, Frankfurt a. M. 2001, S. 83–105. 3 So die These von J. Küpper, Affichierte Exemplarität, tatsächliche A-Systematik. Boccaccios ‘Decamerone’...

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