Show Less

Arbeitsrecht und Satire

Eine rechtshistorische Untersuchung von arbeitsrechtlich relevanten Themen in Karikaturen des "Simplicissimus</I> von 1896 bis 1914

Series:

Caroline Siegel

Die Autorin überprüft das traditionelle Bild der satirischen Zeitschrift des «Simplicissimus» als eines Vordenkers und Schrittmachers des modernen Arbeitsrechts, indem sie das zeitgenössische Arbeitsrecht und die zeitgenössische Arbeitswirklichkeit mit den Karikaturen des Simplicissimus vergleicht. Dabei beleuchtet sie, dass der Simplicissimus vielfach mit Klischees arbeitete, die der Wirklichkeit nicht mehr entsprachen und zudem nur sehr selten Missstände anprangerte, die nicht bereits breit diskutiert bzw. schon gelöst worden waren. Die Untersuchung verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, der insbesondere mit literaturwissenschaftlichen Erläuterungen der Karikaturen den juristischen Blick öffnet.

Prices

See more price optionsHide price options
Show Summary Details
Restricted access

B. Die untersuchten Gruppen

Extract

I. Aristokraten und Angehörige des Militärs 1. Adelsprivileg und arbeitsrechtliche Kontraproduktivität der militärischen Führung Die Untersuchung der im Simplicisimus dargestellten Gruppe der Aristokraten und Angehörigen des Militärs spiegelt die Einstellung der Zeitschrift wider, die diese Gruppe pauschal als kontraproduktiv für die Entwicklung der arbeitsrechtlichen Stellung der Arbeitnehmer auswies. Die Grenzen zwischen den aristokratisch-militärischen Arbeitgebern und den im nächsten Kapitel zu behandelnden landwirtschaftlichen Arbeitgebern sind beson- ders für die vom Simplicissimus kommentierten ostelbischen Verhältnisse bisweilen fließend.210 Einerseits sind für den Simplicissimus preußischer Offiziersstand und landwirtschaftliches Arbeitgebertum eng miteinander verbunden,211 andererseits gebietet besonders der Blick auf die bayerischen Verhältnisse eine Trennung der Personengruppen. Offenkundig bewegten sich die bayerischen landwirtschaftli- chen Arbeitgeber und Arbeitnehmer des Simplicissimus in einem aristokratiefreien Raum, so dass den landwirtschaftlich-arbeitsrechtlichen Zuständen ein gesondertes Kapitel gewidmet werden wird. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs reproduzierte der Simplicissimus klischee- haft die Karikatur aristokratischer, preußischer Offiziere, die sich von allen ande- ren Ständen distanzierten.212 Der Standesdünkel selbst der untersten Offiziersränge war laut Simplicissimus notorisch: Diese Gruppe verkehrte ausschließlich in einer geschlossenen Gesellschaft und schloss von ihrer privilegierten Situation auf die „sozialen Zustände“ im ganzen Reich (21.1.1898, S. 337). Innerhalb des Offizierskorps blieben laut Simplicissimus die Standes-Grenzen bestehen:213 Die bürgerlichen Ka- valleristen waren in den Augen ihrer feudalen Kameraden „berittene Kaufleute“, die feudale Kavallerie war für die bürgerlichen Kameraden eine „Gesellschaft zur Erhaltung berittener Idioten...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.