Show Less

Literaturlinguistik – philologische Brückenschläge

Series:

Jochen A. Bär, Jana-Katharina Mende and Pamela Steen

Der Sammelband verbindet die seit Jahrzehnten konzeptionell und teilweise auch institutionell getrennten Bereiche des Fachs Germanistik: Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft. In 17 Beiträgen werden unterschiedliche thematische Bereiche, Fragestellungen und methodische Ansätze beleuchtet. Textlinguistik, Gesprächsanalyse, Dialektologie, Diskurssemantik und Bildlinguistik werden mit literarischer Hermeneutik, Erzähltheorie, Motivanalyse und Vergleichender Literaturwissenschaft in Beziehung gesetzt. Daraus ergibt sich das Plädoyer für eine neue Philologie, in der die Erkenntnisse beider Teildisziplinen des Fachs Germanistik wechselseitig zur Kenntnis genommen und füreinander fruchtbar gemacht werden.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Die Kinder- und Volks(?)märchen der Brüder Grimm. Märchen und nationale Identität in deutschsprachigen Diskursen des 19. Jahrhunderts (Jessica Weidenhöffer)

Extract

Jessica Weidenhöffer Die Kinder- und Volks(?)märchen der Brüder Grimm. Märchen und nationale Identität in deutschsprachigen Diskursen des 19. Jahrhunderts 1. Einleitung „[V]aterländische geschichte und poesie musz gleichsam mit der muttermilch gesogen und in dem hause erzählt und besprochen werden, ehe das kind die schule betritt und wenn es aus der schule nach haus kommt. […] [D]enn die heimische elterliche vertrau- lichkeit wird durch nichts anders in der welt ersetzt.“ (J. Grimm 1816, 203.) Mit diesen Worten begründete Jacob Grimm vier Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes der Kinder- und Hausmärchen (im Folgenden auch: KHM) die Wahl des Titels seiner Sammlung. Er und sein Bruder Wilhelm hatten Märchen zusammengetragen, die zu Hause, im geschützten Kreis der Familie erzählt und von einer Generation zur nächsten überliefert worden waren. Hiermit entspra- chen sie der steigenden Nachfrage an (Vorlese-)Büchern für Kinder, in denen grundlegende moralische Werte vermittelt werden sollten. Der Ausdruck Familie beschränkte sich dabei nicht auf einen kleinen Kreis miteinander verwandter Personen, sondern wurde auf das gesamte deutsche Volk1 übertragen (vgl. J. Grimm 1830, 12). Gesellschaftliche und politische Veränderungen, die zu Beginn des 19. Jahr- hunderts stattfanden, erforderten nach Ansicht der Brüder Grimm und weiterer Akteure2, wie z. B. Achim von Arnim und Joseph Görres, eine Belehrung aller Altersgruppen und sozialen Stände, die Schaffung nationaler Symbole, mit denen man sich identifizieren konnte. Anlass zu dieser Sichtweise gab die anhaltende...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.