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Homo homini summum bonum- Der zweifache Humanismus des F.C.S. Schiller

Guido Karl Tamponi

Dieses Buch ist die erste deutschsprachige Monographie zu dem im Zeitalter einer «Renaissance des Pragmatismus» wenig beachteten klassischen Pragmatisten F.C.S. Schiller. Es versucht erstmals, einen Ariadnefaden zu sämtlichen Facetten seines Œuvres als einen «zweifachen Humanismus» auszulegen: der Mensch zwischen Individuum und Gesellschaft, Ich und Gott, zwischen Faktum und Ideal, Kritik und Reform. Dabei wird deutlich, dass sich Schillers vielschichtiges Denken – logisch, ethisch, sozial- und bildungspolitisch, metaphysisch – nicht auf einzelne Aspekte beschränken lässt. Vielmehr kreist es um die Frage des Philosophierens überhaupt: nach dem Sinn des Lebens im Ganzen, besonders vor dem Hintergrund der modernen Bedrohung durch Nihilismus und Pessimismus.

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4. Der prophetische Humanismus zwischen personalistischer Spekulation und genetischer Manipulation

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„Weder die Welt noch der Mensch hat bis jetzt wirklich existiert.“ Eric Gutkind – The Absolute Collective389 4.1 Der spekulative Humanismus 4.1.1 Die Naturalisierung des Menschen als Vermenschlichung der Natur Will man die These des methodischen Humanismus Schillers auf einen Punkt bringen, so lautet dieser bereits in seinem Erstling, den „Riddles of the Sphinx“ (1891): „[T]he prohibition of anthropomorphic reasoning is the prohibition of all reasoning in the supposed interests of a fiction of un-anthropomorphic thought […] which can never be known to exist, and which, if it existed, would be utterly inconceivable to us.”390 Denn wenn Anthropomorphismus schlicht „partaking of the nature of man” (144f.) heißt, dann gilt in der Tat, dass „all our thought and all our feeling must be anthropomorphic. The proposal to avoid anthropomorphism is as absurd as the suggestion that we should take an unbiassed [sic!] outside view of ourselves by jumping out of our skin.” (145 – Herv. i.O.) Doch wie im vorigen Interimskapitel angesprochen wurde, heißt diese Infek- tion aller weltlich begegnenden Tatbestände durch den Menschen, gegen die es keine Impfung gibt, nicht, dass es nicht immer noch sinnvoll ist, zwischen zwei verschiedenen Anthropomorphismen zu unterscheiden – einem guten und einem schlechten, wobei Schiller Letzteren noch einmal in einen falschen und einen irregeleiteten („confused“) auffächert: Während der schlicht „false anthropomorphism“ darin besteht, „specific human qualities“ (ebd.) aus ihren legitimen Sphären auf unter- oder übermenschliche, d.h. anorganische, pflanz- liche, tierische bzw. göttliche Bereiche zu expan dieren, versucht der „confused...

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