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Der Asyldiskurs in Deutschland

Eine medienlinguistische Untersuchung von Pressetexten, Onlineforen und Polit-Talkshows

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Maria Becker

Das Buch beschäftigt sich mit dem in den Jahren 2013 und 2014 in Deutschland geführten Asyldiskurs. Obwohl nur wenige Menschen in Deutschland direkten Kontakt zu Asylbewerbern haben, haben die meisten eine dezidierte Meinung zu Asylbewerberheimen, Asylbewerberzahlen oder dem Asylrecht. Dies lässt sich in erster Linie auf die Rezeption von Medieninhalten als meinungsprägende Instanzen zurückführen. Diesen sich in den Medien konstituierenden Asyldiskurs nimmt das Werk in den Blick. Durch die Kombination korpuslinguistischer und hermeneutischer Verfahren werden die Versuche der Diskursakteure, die im Asyldiskurs zentralen Konzepte Verantwortung, Angst und Fremdenfeindlichkeit verschiedentlich zu prägen und dominant zu setzen, analysiert. Dabei zeigt sich, dass die auf diese Konzepte verweisenden Ausdrücke durch ihren häufigen Gebrauch im Asyldiskurs ganz eigene Spezifika der Verwendung entwickeln und eingesetzt werden, um Prozesse der Wissensgenerierung und kollektive Einstellungen zu instruieren.

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Vorwort

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Wie politisch ist eigentlich die deskriptiv orientierte Linguistik? Diese Frage be- rührt den Kern wissenschaftlichen Selbstverständnisses. Besonders häufig wird dieser Gesichtspunkt in der sprachwissenschaftlich inspirierten Diskursanalyse diskutiert, besonders dort, wo Critical Discourse Analysis (CDA) und Linguisti- sche Diskursanalyse (LDA) ins Gespräch kommen. Maria Becker beantwortet die Frage auf eindrückliche Weise und legt mit ih- rer Arbeit Der Asyldiskurs in Deutschland. Eine medienlinguistische Untersuchung von Pressetexten, Onlineforen und Polit-Talkshows ein beeindruckendes Exempel für eine politisch relevante Diskursanalyse im Paradigma der deskriptiven Lingu- istik vor. Neben Berichterstattung und veröffentlichter Meinung in auflagenstar- ken Pressetexten und quotenträchtigen Fernsehformaten hat die Autorin auch Onlineforen in die Untersuchung einbezogen Diese Erweiterung gegenüber her- kömmlichen Diskursanalysen eröffnet einen deutlich weiteren Horizont. Meines Erachtens zeigt sich die Politizität (ein Kunstwort für den graduell mo- dellierten Charakter politikrelevanten Handelns) wissenschaftlichen Arbeitens zwar auch im Äußern einer Meinung, aber vielmehr in der Auswahl des wissen- schaftlichen Gegenstandes selbst und in dem vom Wissenschaftler formulierten Erkenntnisinteresse. So ist der Nachweis, wie sich eine gesellschaftliche Unge- rechtigkeit sprachlich manifestiert, ohne Zweifel sehr politisch und verdienstvoll. Nicht minder politisch – wenn auch anders gelagert – ist das Transparent-Machen sprachlich instruierter Wahrnehmungsfolien und damit evozierter Weltbilder und Denkmuster gesellschaftspolitisch relevanter Themen. Schließlich ist es uns nur in geringem Ausmaß möglich, über Primärerfahrungen unsere individuelle Wissensformation zu speisen. Wir sind größtenteils auf die symbolvermittelte Wirklichkeitsdarstellung kollektiver Wissenssysteme und der ihnen inhären- ten idiomatischen Ordnung angewiesen. Die in...

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