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Der Asyldiskurs in Deutschland

Eine medienlinguistische Untersuchung von Pressetexten, Onlineforen und Polit-Talkshows

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Maria Becker

Das Buch beschäftigt sich mit dem in den Jahren 2013 und 2014 in Deutschland geführten Asyldiskurs. Obwohl nur wenige Menschen in Deutschland direkten Kontakt zu Asylbewerbern haben, haben die meisten eine dezidierte Meinung zu Asylbewerberheimen, Asylbewerberzahlen oder dem Asylrecht. Dies lässt sich in erster Linie auf die Rezeption von Medieninhalten als meinungsprägende Instanzen zurückführen. Diesen sich in den Medien konstituierenden Asyldiskurs nimmt das Werk in den Blick. Durch die Kombination korpuslinguistischer und hermeneutischer Verfahren werden die Versuche der Diskursakteure, die im Asyldiskurs zentralen Konzepte Verantwortung, Angst und Fremdenfeindlichkeit verschiedentlich zu prägen und dominant zu setzen, analysiert. Dabei zeigt sich, dass die auf diese Konzepte verweisenden Ausdrücke durch ihren häufigen Gebrauch im Asyldiskurs ganz eigene Spezifika der Verwendung entwickeln und eingesetzt werden, um Prozesse der Wissensgenerierung und kollektive Einstellungen zu instruieren.

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1. Einleitung: Untersuchungsgegenstand, Erkenntnisinteresse und Aufbau der Arbeit

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1 Die gesellschaftlich diskutierten Themen zu Fragen von Migration und multikultureller Gesellschaft, Asyl und Einwanderungsgesetzgebung sind, wie sich immer wieder fest- stellen lässt, auffallend stark mit Emotionen, Verunsicherungen und Ängsten verbun- den. […] Es gibt, und das über Jahre hinweg, kaum ein gesellschaftliches Thema über das so emotionalisiert diskutiert wird. (Nick 2003: 13–14) Die seit dem Jahr 2009 ansteigenden Zahlen von Asylbewerbern2 in Deutschland scheinen oftmals eine regelrechte Hysterie auszulösen, die sich auch in der medi- alen Berichterstattung widerspiegelt: So ist von einer Masseneinwanderung bzw. von Massen von Ausländern die Rede, die man nicht stemmen könne (SÜDWEST PRESSE, 26. Februar 2014), es wird von einem großen Exodus der Flüchtlinge nach Europa berichtet (ZEIT, 28. Mai 2014) und vor einem großen Alarm gewarnt, den die riesigen Zahlen von Asylbewerbern in Deutschland auslösen würden (FRANKFURTER RUNDSCHAU, 23. August 2013). Jedoch ist sicherlich nicht nur davon auszugehen, dass Medien wie Zeitungen die Einstellungen und Über- zeugungen der Menschen reflektieren, sondern vielmehr auch davon, dass unsere Weltbilder maßgeblich durch die medialen Berichterstattungen geprägt werden. Die Produzenten und auch die Rezipienten bedienen sich dabei des Mediums Sprache, weshalb zu Recht postuliert werden kann, dass unser Wissen „in erheb- lichem Umfang auf der Wahrnehmung sprachlicher […] Zeichen in Medienan- geboten“ beruht (Felder 2011: 4). Die daraus abzuleitende Schlussfolgerung, dass das entscheidende Medium unserer Wissenskonstitution die natürliche Sprache ist (ebd.), möchte ich deshalb auch zum Ausgangspunkt der vorliegenden Ar- beit machen, die sich mit...

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