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Die Palingenesie der römischen Vormundschaftsgesetze

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Nikola Georgia Galaboff

Die Möglichkeit, im klassischen römischen Recht Unmündigen und Frauen auf behördlichem Weg einen Vormund zu bestellen, geht auf die lex Atilia und die lex Iulia et Titia zurück. Diese Vormundschaftsgesetze sind der Nachwelt jedoch nicht erhalten. Die Autorin rekonstruiert einzelne Klauseln unter besonderer Berücksichtigung des sie prägenden sozio-kulturellen Rahmens. Als Grundlage dient hierbei das bekannte Phänomen der Verwendung sogenannter Spolien, also die Übernahme von Fragmenten aus älteren Gesetzen bei der Abfassung von neuen Gesetzen. So können aus den überlieferten normativen Quellen zur tutela decretalis einzelne Textteile, deren Ursprung sowohl in der lex Atilia als auch in der lex Iulia et Titia zu vermuten ist, gewonnen werden.

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Drittes Kapitel: Palingenetische Überlegungen zu den römischen Vormundschaftsgesetzen

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Die Vormundschaftsgesetze, lex Atilia und lex Iulia et Titia, die die behördliche datio tutoris in Rom bzw. in Italien und in den Provinzen regelten, sind uns nicht überliefert. Der palingenetische Versuch muss sich daher an anderes (v.a. zeitlich späteres) Quellenmaterial halten, in welchem von ihnen berichtet oder auf sie Bezug genommen wird. Bei der Durchsicht desselben lassen sich einige Auffäl- ligkeiten feststellen, die bisher in der Literatur nur wenig Beachtung gefunden haben.597 Der (unbekannte) Verfasser der Scholia Sinaitica wies in 20, 54 darauf hin, dass nach einem Kapitel der lex (Iulia et) Titia das Mündel für sich selbst einen Tutor erbat. Ebenso berichtet der inzwischen zuverlässig rekonstruierte Kapitelanfang von c. 109 der lex Coloniae Genetivae Iuliae seu Ursonensis (lex Ursonensis), dass nicht nur die Frau, sondern gerade auch das Mündel bei dem Duumvir die Bestellung eines Tutors beantragen und die von ihr/ihm gewünsch- te Person benennen konnte. Das postulare und nominare quem dari volet be- gegnet uns ebenso in c. 29 lex municipi Salpensani bzw. Irnitani. Allerdings tritt hier erstmals eine Unterscheidung im Verfahren der datio tutoris mulierum und impuberum auf: Trotz einiger stilistischer Unebenheiten ist zu erkennen, dass die alleinige Postulationsbefugnis nur für die Frau im vereinfachten Verfahren de omnium collegarum sententia (S. 1) galt, im Übrigen bedurfte es für das Mündel der postulatio eines Dritten und eines Dekrets der Dekurionen (S. 2). Jüngere Urkundenfunde aus Herkulaneum und Ägypten scheinen dies zu bestätigen: Ihnen lässt...

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