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Die Palingenesie der römischen Vormundschaftsgesetze

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Nikola Georgia Galaboff

Die Möglichkeit, im klassischen römischen Recht Unmündigen und Frauen auf behördlichem Weg einen Vormund zu bestellen, geht auf die lex Atilia und die lex Iulia et Titia zurück. Diese Vormundschaftsgesetze sind der Nachwelt jedoch nicht erhalten. Die Autorin rekonstruiert einzelne Klauseln unter besonderer Berücksichtigung des sie prägenden sozio-kulturellen Rahmens. Als Grundlage dient hierbei das bekannte Phänomen der Verwendung sogenannter Spolien, also die Übernahme von Fragmenten aus älteren Gesetzen bei der Abfassung von neuen Gesetzen. So können aus den überlieferten normativen Quellen zur tutela decretalis einzelne Textteile, deren Ursprung sowohl in der lex Atilia als auch in der lex Iulia et Titia zu vermuten ist, gewonnen werden.

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Viertes Kapitel: Die datio tutoris im klassischen römischen Recht

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Ab der Mitte des 2. Jahrhunderts n.Chr. wird das Vormundschaftsrecht über Min- derjährige – und somit auch das Verfahren der behördlichen Bestellung – für uns anhand von Quellenaussagen deutlich greifbarer. Dabei ist erkennbar, dass das vormundschaftsrechtliche Grundgerüst, das wir für die altrömische Zeit zumin- dest grob skizzieren können, mit dem überreifen Rechtszustand der Kaiserzeit kaum Gemeinsamkeiten aufweist. Aus fürsorgerischen Motiven und als Reaktion auf sich ändernde soziale Strukturen im Bereich von Familie und Freundschaft hatten die römischen Kaiser das Institut der tutela impuberum zu einem zentralen Bestandteil ihrer Rechtssetzungstätigkeit gemacht. Nicht nur begleitet, sondern in erster Linie weitergebildet wurden die kaiserlichen Maßnahmen von der Arbeit der Juristen, die sich in ihren Gutachten und in breit angelegten Kommentaren niederschlug. Die Folge war ein fast undurchschaubares sowie gewaltiges Geflecht an Normen, das nur allzu euphemistisch als geschlossenes System bezeichnet werden kann. Vielmehr sehen wir uns vor einer chaotischen Normenmasse, die eher an moderne staatliche Überregulierungen erinnert.813 Vieles aus der früheren schriftlichen Überlieferung war auf diese Weise verdrängt worden, weshalb es sich so schwierig gestaltet, zu gesicherten Erkenntnissen für die Epoche der Vormund- schaftsgesetze zu gelangen. Zudem waren die zentralen Teile des ursprünglichen Verfahrens der datio tutoris – vorrangig das nach der lex Atilia – durch die spä- teren Regelungen überlagert und dadurch größtenteils bedeutungslos geworden. Die folgende Darstellung kann daher nicht alle Einzelheiten im Bereich der datio tutoris des klassischen Rechts beinhalten, ebenso kann nur auf die wichtigs- ten...

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