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Die Palingenesie der römischen Vormundschaftsgesetze

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Nikola Georgia Galaboff

Die Möglichkeit, im klassischen römischen Recht Unmündigen und Frauen auf behördlichem Weg einen Vormund zu bestellen, geht auf die lex Atilia und die lex Iulia et Titia zurück. Diese Vormundschaftsgesetze sind der Nachwelt jedoch nicht erhalten. Die Autorin rekonstruiert einzelne Klauseln unter besonderer Berücksichtigung des sie prägenden sozio-kulturellen Rahmens. Als Grundlage dient hierbei das bekannte Phänomen der Verwendung sogenannter Spolien, also die Übernahme von Fragmenten aus älteren Gesetzen bei der Abfassung von neuen Gesetzen. So können aus den überlieferten normativen Quellen zur tutela decretalis einzelne Textteile, deren Ursprung sowohl in der lex Atilia als auch in der lex Iulia et Titia zu vermuten ist, gewonnen werden.

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Schlussbetrachtungen

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Legt man abschließend die Chronologie für die uns hier interessierenden Texte zugrunde, wird erkennbar, dass zwischen dem Erlass der lex Atilia um 210 v.Chr. und der Paraphrase des Theophilos aus der Mitte des 6. Jahrhunderts n.Chr. ein Zeitraum von knapp 750 Jahren liegt. Heinrich Dernburg ist bei der Skizzierung der Entwicklung der römischen tutela angesichts dieser enormen Zeitspanne zu dem Schluss gelangt, dass „das Vormundschaftsrecht […] in Rom so verschiede- ne Entwicklungsstufen durchlaufen [hat], daß Beginn und Ende scharfe Kontras- te bilden.“859 Der im Ergebnis richtigen Feststellung Dernburgs ist – freilich unter einer gewissen Überstrapazierung begrifflicher Spitzfindigkeiten – zu entgegnen, dass das Wort „Entwicklung“ beim aufmerksamen Leser (unbewusst?) Assoziati- onen wie Linearität oder Gleichförmigkeit hervorruft.860 Dieses Verständnis vom römischen Rechtserbe und damit letztlich des Vormundschaftsrechts ist gerade- zu charakteristisch für die Pandektistik des 19. Jahrhunderts. Ihre berühmtesten Vertreter wie Heinrich Dernburg legten den Schwerpunkt im Rahmen der wis- senschaftlichen Durchdringung des römischen Privatrechts auf die Analyse dog- matischer Konstruktionen und die Bildung übergeordneter Systeme, die jedoch oftmals mit der historischen Realität (soweit sie für die Nachwelt überhaupt fass- bar ist) nur wenig zu tun haben. Und auch heute noch basiert die Wahrnehmung des römischen Rechts größtenteils auf unserem modernen Rechtsverständnis, das von einem übergreifenden Denken in Systemen dominiert wird. Wie die vorliegende Untersuchung gezeigt hat, wäre es unzulässig, diese rein zivilistisch orientierten Überlegungen quasi unreflektiert oder gar intuitiv auf die römische tutela zurückzuprojizieren....

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