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Mechanismen der Trivialliteratur

Zur Wirkungsweise massenhaft verbreiteter Unterhaltungslektüre

Wolfgang Beutin

In einer Untersuchung von etwa 170 Romanen und Novellen der Trivialliteratur aus der Zeit von 1849 bis 1945 werden die «Mechanismen» dieser Texte aufgezeigt. Die herangezogenen Werkgruppen sind: der Liebesroman, der Frauenroman, der historische Roman, der Gesellschaftsroman, der Abenteuerroman, der Bergroman und der biographische Roman. Die unterschiedlichen Romantypen weisen auf verschiedene Elemente in der Textur zurück – es wird analysiert, wie diese «Mechanismen» die Schriften an das Interesse des Publikums banden und die Inhalte mit der gesellschaftlichen Psychologie und der Ideologie der Lesenden verknüpften.

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Autobiographische Äußerungen

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Von Homer zum „Tagesschriftsteller“ Unter den Autorinnen und Autoren der Hochliteratur sind nicht wenige, die autobiographische Schriften abfaßten – am prominentesten darunter natürlich Goethe –, aber auch andere, die nichts Autobiographisches hinterließen, – einige darunter mit ausdrücklicher Weigerung, zur Gattung der Selbstlebensbeschrei- bung beizutragen (denn, so Wilhelm Raabe, alles Wichtige, was von ihm zu wis- sen wäre, stünde im dichterischen Werk). Und diejenigen Schreibenden, deren Schrifttum in der Literaturhistoriographie heute der Trivialliteratur zugerechnet wird? – Von einer Minderzahl haben wir autobiographische Äußerungen, von der Mehrzahl keine. Diejenigen, die eine autobiographische Niederschrift abfaß- ten, könnte man rubrizieren danach, ob sie sich ihrer – künftigen oder schon zugewiesenen – Stellung in der Literaturgeschichte bewußt waren, angefangen bei dem einen, der, sich selbst naiv erhöhend, angab, er wäre rangmäßig irgend- wo bei Homer und seinesgleichen einzuordnen, bis hin zu dem anderen, der sich realistisch als „Tagesschriftsteller“ geschätzt glaubte, oder sogar noch geringer. Als Überschrift des Kapitels erscheint keineswegs zufällig „Autobiographi- sche Äußerungen“, nicht: „Autobiographien“. Der Ausdruck besagt, daß die Texte in durchaus divergenten Formen niedergeschrieben sind. Die Liste beginnt mit stattlichen Aufzeichnungen, die den Titel „Autobiographie“ sehr wohl verdienen, gelegentlich sogar mehrbändigen Werken, etwa von zwein der auf dem Gebiet des populären Unterhaltungsromans erfolgreichsten Autoren in Deutschland: Dahn (5 Bde.), Ganghofer (3 Bde.). Es sindvoluminöse Darstellungen, denen in der Gegenwart kaum mehr als nur eine einzige Funktion zugesprochen wer- den würde: Abschreckung des Publikums; denn wie sie breit...

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