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Die Himmel sind leer

Der "Dom Juan</I> von Molière im Kontext frühneuzeitlicher Religions- und Herrschaftskritik

Joachim Wink

Die Vieldeutigkeit des Dom Juan ist in postmodernen Zeiten oft betont worden, doch ist sie Folge eines Tabus. Das Tabu lautet, dass Molière den in seiner Komödie über fünfzig Mal evozierten Ciel auf keinen Fall in spöttisches Licht setzen wollte. So wird der orthodox-christliche Himmel, den die Zuschauer des 17. Jahrhunderts vor Augen hatten, entweder ausgeblendet oder mit modernen deistischen Vorstellungen gefüllt: ein Verfahren, bei dem die Blasphemie, derer Molière von seinen Zeitgenossen beschuldigt wurde, auf der Strecke bleibt. Der Autor zeigt, Szene für Szene, wie durch historische Rückfühlung, die den religiösen Realitäten im Zeitalter der Gegenreformation Rechnung trägt, die heiligen Kühe der Pluralität und Paradoxie plötzlich vom Fleisch fallen und wieder der sozial kämpferische Molière der älteren Forschung zum Vorschein kommt.

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XIII. Der „foudre en peinture“

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Le coup de tonnerre final, leçon morale à la fin d’une œuvre sérieuse, change de valeur s’il ter- mine une bouffonnerie� Antoine Adam 1. Die Statue kommt zum zweiten Mal Wir befinden uns in der letzten Szene des letzten Akts� Es geht nun alles sehr schnell� Dom Juan wirkt vom erneuten Erscheinen der Statue überrascht, ob- wohl er natürlich alles tut, seine Überraschung zu überspielen� Fügsam, ja mit anmutiger Nonchalence gibt er dem steinernen Gast, der sich bereits am Ende des vierten Akts als Werkzeug des Himmels zu erkennen gab („On n’a pas besoin de lumiere, quand on est conduit par le Ciel“), auf dessen Befehl die Hand� Nun wird er sehen, was kommt� Die Statue, deren felsenfestem Griff nicht mehr zu entweichen ist, verkündet mit schweren Worten das Urteil� Das letzte Wort der Sentenz, wahrscheinlich mit einer besonderen Betonung gesprochen, fällt mit dem vom Himmel niederschmetternden Blitz zusammen: LA STATUE� Arestez, D� Juan, vous m’avez hier donné parole de venir manger avec moy� D� JUAN� Oüy, où faut- il aller? LA STATUE� Donnez- moy la main� D� JUAN� La voila� LA STATUE� D� Juan, l’endurcissement au peché traîne une mort funeste, & les graces du Ciel que l’on renvoye, ouvrent un chemin à sa foudre� D� JUAN� O Ciel, que sens- je? un feu invisible me brûle, je n’en puis plus, & tout mon corps de- vient un brasier ardent, ah! Le tonnerre tombe avec un grand bruit & de grands éclairs sur D. Juan,...

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