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Paradoxe Ergebnisse von Mehrheitsentscheidungen

Ein aktueller Disput aus der Gründerzeit der modernen aufgeklärten Demokratie

Wolfgang Gerß

In diesem Buch geht es um demokratische Mehrheitsabstimmungen, von denen der Marquis de Condorcet im 18. Jahrhundert bemerkte, dass sie zu nicht umsetzbaren («paradoxen») Beschlüssen führen können, auch wenn die einzelnen Entscheidungsträger «vernünftig» (rational) denken und handeln. Dieses Phänomen ist bis in die Gegenwart ein Forschungsgegenstand von Sozialwissenschaftlern und Mathematikern. Die gegenwärtige Forschung hat ein Instrumentarium zur Beurteilung der Anfälligkeit gegen das Paradoxon für verschiedene Prozeduren von Mehrheitsentscheidungen geliefert. Hier werden einige Prozeduren in mathematischen Modellen dargestellt. Das Buch beschreibt ausführlich einzelne Schritte der Konstruktion dieser Modelle und demonstriert die empirische Auswertung mit leicht anwendbaren Verfahren der Wahrscheinlichkeitsrechnung.

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Vorwort und Einleitung

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In einem freiheitlichen Rechtsstaat soll die Beschlussfassung der politischen Gremien sowohl demokratisch als auch rational bzw. vernünftig sein. Die Entscheidungen sind demokratisch, wenn sie von einer Mehrheit gleichbe- rechtigter Bürger getragen werden, und vernünftig, wenn sie zielgerichtet und effizient sind. Dabei ist die angestrebte Kombination von Demokratie und Vernunft keineswegs selbstverständlich. Zu den Anforderungen an „gute“ politische Entscheidungen gehört auch, dass sie rechtzeitig getroffen werden. Die meisten Entscheidungen können auch nicht dadurch umgangen werden, dass man abwartet, bis sie sich „durch Liegenlassen“ von selbst erledigt haben. Damit scheiden endlose Palaver in den Entscheidungsgre- mien bis zur aus Einsicht oder Ermüdung resultierenden Einstimmigkeit der Abstimmungen aus. Vielmehr muss zu irgendeinem Zeitpunkt die De- batte abgebrochen und die Entscheidung durch Kampfabstimmung – mit Stimmenmehrheit bei Gegenstimmen und Enthaltungen – getroffen werden. Solche Mehrheitsentscheidungen können in bestimmten – wenn auch in der Regel seltenen – Fällen auch „paradox“, das heißt unsinnig, in sich wider- sprüchlich oder unrealisierbar sein. Das Titelbild zeigt das Düsseldorfer ‚Ständehaus‘ – nach der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen erster Sitz des Landtags – als Beispiel eines historischen Ortes sozialer Entschei- dungen auf staatlicher regionaler (preußische Rheinprovinz) Verwaltungs- ebene (Foto: Jutta Gerß). Im Anschluss an diese Einleitung wird eine Abschrift des Titelblattes der im Jahr 1785 gedruckten erstmaligen umfassenden und detaillierten Be- schreibung des Phänomens paradoxer Abstimmungsergebnisse von Marquis de Condorcet wiedergegeben. Das Original dieser historischen Beschrei- bung ist nach Sprache und Inhalt in großen Teilen kaum verständlich oder...

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