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Paarformeln in mittelalterlichen Stadtrechtstexten

Bedeutung und Funktion

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Frauke Thielert

Die Autorin untersucht den seit Jakob Grimm in der Forschung diskutierten Gegenstand der Paarformel anhand der spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Textsorte der Stadtrechtsbücher. Sie behandelt 20 Texte, die sich auf den gesamten deutschen Sprachraum verteilen und den Zeitraum vom 13.–15. Jahrhundert abdecken. Die Analyse ist nach sehr weit gefassten modernen Rechtsbegriffen wie «natürliche Person» oder «Körperverletzung» strukturiert, die jenseits ihrer historischen Andersartigkeit als Grundtatsachen des menschlichen Lebens gelten können. Ausgehend von der Annahme, dass Paarformeln als Mittel zur Erfassung rechtsrelevanter Begrifflichkeiten dienen, berücksichtigt die Autorin neben Verwendung und Bedeutung auch die Funktion von Paarformeln im jeweiligen Kontext.

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V. Untersuchungsgegenstand und -methode

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Ziel der vorliegenden Arbeit ist, Paarformeln in mittelalterlichen Stadtrechtstex- ten zu erfassen, juristischen Begriffen und Verwendungszusammenhängen zuzu- ordnen und auf dieser Basis, ihre semantischen Eigenschaften und ihre Funktion innerhalb der mittelalterlichen Rechtssprache zu bestimmen. Des Weiteren soll die Entwicklung der Paarformel mit Blick auf ihre weitere Verwendung innerhalb und außerhalb von Rechtstexten anhand einzelner Beispiele dargestellt werden. Dazu werden aus den einzelnen Themenbereichen Formeln (und die dazugehö- rigen Varianten) ausgewählt und die Gründe für ihre Weiterverwendung oder ihr Aussterben untersucht. Werden die Formeln weiterverwendet, stellt sich die Frage nach den Prozessen der Verfestigung, dem semantischen Wandel und der Idiomatisierung. Sowohl der Terminus der Paarformel und des juristischen Begriffs als auch der der Rechtssprache sollen bezogen auf die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit eingehender erläutert werden. Da der Begriff der Paarformel in der Forschungs- diskussion unterschiedlich und häufig textsortenübergreifend definiert wird, wird in der Folge eine stark auf die ‚Paarformeln in der mittelalterlichen Rechtssprache‘ zugespitzte Definition entwickelt. ‚Juristischer Begriff ‘ entstammt der heutigen Rechtsterminologie und ist somit nur bedingt auf das Mittelalter übertragbar, so dass die für den Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit notwendige inhaltliche Modifikation kurz dargestellt werden soll. Auch der Terminus Rechtssprache erlaubt ambivalente Deutungsmöglichkei- ten: Definiert man Rechtssprache als „Sprache des Rechtslebens“490, die „von al- len Sprachteilnehmern verwendet [wird], sobald sie mit dem Recht in Berührung kommen […]“491, lässt er sich ohne Schwierigkeiten auf mittelalterliche Rechtstex- te übertragen. Versteht man die Sprache des mittelalterlichen Rechts jedoch als...

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