Show Less

Kollektive Haftung im Wirtschaftsstrafrecht

Ein kompetitiver und evaluativer Vergleich der Sanktionssysteme Deutschlands, Großbritanniens und Italiens – Unter besonderer Berücksichtigung von Dogmatik, Gerechtigkeit und Zweckmäßigkeit

Series:

Johann Amos Münch

Gegenstand dieses Buches ist ein Rechtsvergleich der wirtschaftsstrafrechtlichen Sanktionssysteme Deutschlands, Großbritanniens und Italiens. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse werden in die aktuelle Diskussion zur Einführung eines «echten» Unternehmensstrafrechts in Deutschland eingebracht. Zu diesem Zweck werden auch die Vor- und Nachteile der deutschen, britischen und italienischen Sanktionssysteme umfassend herausgearbeitet. Der Autor beleuchtet darüber hinaus die Möglichkeiten einer Übertragung der fortschrittlicheren Elemente der britischen und italienischen Sanktionssysteme auf das deutsche Modell.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

C. Rechtslage in England

Extract

77 C. Rechtslage in England I. Darstellung der Rechtslage 1. Einführung Großbritannien gehört zu den klassischen Ländern, die eine kernstrafrechtliche Lösung bei der Verantwortlichkeit von Verbänden umgesetzt haben.541 In Eng- land wie überhaupt in den Ländern des anglo-amerikanischen Rechtskreises ist die Konstruktion einer strafrechtlichen Unternehmenshaftung schon seit langem fest verwurzelt, wenngleich die Entwicklung nicht überall gleich verlaufen ist.542 Man ist der Auffassung, dass ein Unternehmen eine Strafe besser „verkraf- ten“ kann als ein einzelner Mitarbeiter, da es Rücklagen bilden, die monetäre Belastung auf Geschäftspartner umlegen oder entsprechende Versicherungen abschließen kann.543 2. Strafbarkeit von Unternehmen in Großbritannien Auch im britischen Strafrecht, das als case law544 aufgebaut ist, kann sich grund- sätzlich nur derjenige strafbar machen, dessen innere Einstellung schuldhaft ist – was an und für sich (wie im deutschen Recht) eine strafrechtliche Ver- antwortlichkeit von juristischen Personen und Verbänden ausschließt.545 Die Entwicklung der englischen Strafjustiz hat jedoch gezeigt, dass nun mehr prakti- sche Überlegungen der öffentlichen Sicherheit, Ordnung und Wohlfahrt in den Vordergrund gerückt sind und das strikte, auf persönlicher Schuld aufbauende Strafrecht verdrängt haben.546 Diese Verschiebung der Prioritäten hat zur Kreie- rung der Institute der strict liability, der Strafbarkeit ohne Verschulden, sowie der vicarious liability, der stellvertretenden strafrechtlichen Verantwortlichkeit des Geschäftsherren für das rechtswidrige Verhalten seiner Gehilfen im Rahmen der Dienstausübung, geführt.547 541 Vgl. Pieth/Ivory, Emergence and Convergence, S. 7; Heine, FS Lampe, 2003, 577 (579). 542...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.