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Proust und der Krieg

Die wiedergefundene Zeit von 1914

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Edited By Uta Felten, Kristin Mlynek-Theil and Kerstin Küchler

Proust ist ein genauer Archäologe der diskursiven und sensoriellen Spuren des Krieges, die er in seinem Romanwerk zu einem polyvalenten Rhizom montiert, das sich eindeutigen Zuweisungen willentlich entzieht. Vergeblich sucht man nach direkten Frontberichten des Ersten Weltkrieges oder Bildern zerstückelter Körper auf seinen Schlachtfeldern. Die in diesem Band versammelten Beiträge lesen den letzten Band des Proust’schen Romanwerks À la recherche du temps perdu als vielstimmige Archäologie des Ersten Weltkrieges, die aus einer epistemologischen, intermedialen, philologischen und erkenntnistheoretischen Perspektive analysiert wird.

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Proust und der Erste Weltkrieg: literarische Zwiegespräche mit Joseph Reinach (Luc Fraisse)

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Luc Fraisse Proust und der Erste Weltkrieg: literarische Zwiegespräche mit Joseph Reinach Der Erste Weltkrieg, dem Charles Péguy und Alain-Fournier gleich zu Beginn zum Opfer fallen, bewirkt eine Zeit des Stillstandes in der verlegerischen Her- ausgabe von À la recherche du temps perdu. So entsteht eine zeitliche Diskrepanz von sechs Jahren zwischen dem Erscheinen des ersten Bandes, Du côté de chez Swann, im Jahre 1913 und des zweiten Bandes, À l’ombre des jeunes filles en fleurs, im Jahre 1919. Auch ahnt Proust schon sehr früh, dass der Erste Weltkrieg auf seinen Roman Einfluss nehmen wird, und trifft hierfür innerhalb seines Werkes bereits einige Vorkehrungen, die sich in einer zeitlichen Verzerrung auf der Ebene des Erzählens niederschlagen: Während der Protagonist der „temps perdu“ die Jahre des Krieges sowie die Nachkriegszeit durchschreitet, bleibt der Erzähler, vermeintlich angekommen in der „temps retrouvé“, der Erzähler des Jahres 1913, der Erzähler des ersten Bandes. Proust entwirft so bereits eine Episode der Temps retrouvé, „M. de Charlus pendant la guerre“, und lässt seinen Erzähler im letzten Abschnitt des Romanzy- klus’ zwei Heimfahrten des Protagonisten ins Paris der Kriegszeit beschreiben, die sich an einen Sanatoriumsaufenthalt desselbigen anschließen. Die endgültige Rückkehr des Protagonisten, die den Anfang der „Matinée chez la princesse de Guermantes“ markiert, lässt sich dabei auf einige wenige, in ihrer Anzahl nicht näher bestimmte Jahre nach dem Ende des Krieges reduzieren. Um dieser Situa- tion Rechnung zu tragen, streut der...

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