Show Less

Proust und der Krieg

Die wiedergefundene Zeit von 1914

Series:

Edited By Uta Felten, Kristin Mlynek-Theil and Kerstin Küchler

Proust ist ein genauer Archäologe der diskursiven und sensoriellen Spuren des Krieges, die er in seinem Romanwerk zu einem polyvalenten Rhizom montiert, das sich eindeutigen Zuweisungen willentlich entzieht. Vergeblich sucht man nach direkten Frontberichten des Ersten Weltkrieges oder Bildern zerstückelter Körper auf seinen Schlachtfeldern. Die in diesem Band versammelten Beiträge lesen den letzten Band des Proust’schen Romanwerks À la recherche du temps perdu als vielstimmige Archäologie des Ersten Weltkrieges, die aus einer epistemologischen, intermedialen, philologischen und erkenntnistheoretischen Perspektive analysiert wird.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Proust und die Musik der Kriegszeit: verschlüsselte Echos in Le Temps retrouvé (Cécile Leblanc)

Extract

Cécile Leblanc Proust und die Musik der Kriegszeit: verschlüsselte Echos in Le Temps retrouvé Die Lektüre der zeitgenössischen Musikpresse kann hilfreich sein, die Verzwei- gungen des Textes der Recherche sowie die ästhetischen und musikwissenschaft- lichen Entscheidungen Marcel Prousts nachzuvollziehen. Dies trifft besonders für die während des Ersten Weltkriegs erschienenen Musikmagazine zu, als der Roman eine Dimension annimmt, die zu Beginn nicht vorherzusehen war. Von 1914 an jedoch stellt ein Großteil der Musikpresse jegliche Tätigkeiten ein (zum Beispiel der sehr konservative Ménestrel) mit Ausnahme des Courrier musical und der Zeitschrift der Société Internationale de Musique (SIM), die allerdings nur mit Unterbrechungen erscheinen. In der allgemeinen Presse erhalten lediglich Le Temps und Le Gaulois eine musikalische Kolumne1 aufrecht, jedoch wird die Reihe von Pierre Lalo in Le Temps, den Proust aufmerksam verfolgt, gelegent- lich von einer militärischen Kolumne ersetzt. Allein die Kolumnen des Courrier musical und jene der genannten Zeitschriften – wenn sie denn aufrechterhalten wurden – reichen aus, um unbestreitbar ein Licht auf gewisse Szenen des Romans zu werfen; vor allem, wenn man sie mit den Reaktionen des Autors in Verbindung bringt, die jener in seinem Schriftwechsel vermerkt. In erster Linie haben die in der Presse aufgeworfenen musikalischen Fragen Proust zu Reflexionen angeregt, die sich in verschlüsselter Form in den zu jener Zeit abgefassten Bänden wiederfinden. Sie hatten nicht nur einen Einfluss auf Prousts musikalische Anschauungen, sondern finden sich auch in der Ästhetik Vinteuils wieder und bereiten das Feld, f...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.